Barock volley schreibt märchen weiter – playoff-thron steht, krone folgt
Ludwigsburg – Ein Jahr nach dem Aufstieg trommeln die Barock Volley bereits in der ersten Runde der Playoffs an die Palasttür der Volleyball-Bundesliga. Die Zahlen sind schonungslos: 16 Siege, nur fünf Niederlagen, Platz vier – und ein Kapitän, der sich mit dem Halbfinale noch lange nicht zufriedengeben will. „Wir sind nicht fertig“, sagt Ben-Simon Bonin und streicht sich das Handtuch durch die noch jugendlichen Haarsträhnen. Das klingt nicht nach Pokal-Lucky-Punch, das klingt nach Dauerinvasion.
Der plan hieß eigentlich „klasse bleiben“
Vorstand und Trainer hatten im Sommer das übliche Neuland-Mantra an die Wand getackert: erstmal nicht absteigen. Dann kam der erste Satz, die erste Aufschlagserie, der erste Gegner, der plötzlich in die Bretter kippte. „Schnell war klar: Mit dieser Truppe können wir mehr“, erinnert sich Bonin. Die interne Kommunikation schwenkte binnen Wochen von „wir schauen uns um“ zu „wir schauen nach oben“. Die Konsequenz: Transferfenster auf, Patrick Steuerwald verpflichtet – Ex-ASV-Dachau, Meistertrainer, Workaholic. Kein Experiment, sondern eine Kampfansage an die etablierten Top-Fünf.
Die Arena am Seestraßentor wurde zur Festung. VIPs trinken nun Gin-Tonics in der „Fürstenlounge“, die Cheerleader posieren vor roten Samtvorhängen, und wer vor dem Spiel noch schnell seinen Twitter-Feed checkt, landet unweigerlich bei Bonins Statements. Der 23-jährige Außenangreifer führt das Team mit einer Mischung aus Schulstufen-Captain und Pokerface. „Ich weihe die Jungs erst fünf Minuten vor dem Aufwärmen ein, wer heute den Druck übernimmt“, verrät er. Statistiker lieben ihn trotzdem: 3,8 Punkte pro Satz, 54 Prozent Angriffserfolgsquote – Zahlen, die normalerweise nur in Excel-Sheets der Bundesliga-Größen auftauchen.

Playoffs: lieber kein berlin, kein lüneburg
Am Samstag kommt mit Giesen der letzte Hauptrunden-Gegner. Platz sechs wäre nach dem 3:0-Sieg gegen Friedrichshafen greifbar – und würde den Favoriten eine Schlacht um den Einzug ins Halbfinale ersparen. „Wir wollen Berlin und Lüneburg meiden, klar“, sagt Bonin und grinst dabei so breit, dass man ihm die Furcht vor den Giganten fast abkauft. Fast. Denn die interne Analyse sieht anders aus: Fünf-Satz-Sieg gegen SVG, knappes 2:3 gegen die BR Volleys – die Barock Volley haben die Besten schon geärgert.
Die Stadt spielt mit. 23.000 Einwohner, ein Schloss, das wie ein barocker Aktenvernichter wirkt, und jetzt dieses Team, das jeden zweiten Tag die Nachrichtenseiten füllt. Bürgermeisterin Elke Zimmer spricht von „unverhofftem Imagegewinn“, Sponsoren schlagen sich auf Instagram mit Dauerkarten, und die Jugendabteilung des TSV Pelkum verzeichnet 40 Prozent Neueinsteiger – weiblicher Anteil: 63. „Wenn wir hier eine Krone aufsetzen, dann eine, die Kindern passt“, sagt Bonin und meint damit nicht nur die Trophäe, sondern die Nachhaltigkeit des Hypes.
Der Countdown läuft. Am Samstag um 19 Uhr wird das Seestraßentor wieder kochen, die Grizzlies wollen Platz fünz verteidigen, die Barock Volley den Traum von Rang sechs. Bonin selbst wird vor Anpfiff den Kasten mit den roten Bällen öffnen, einen kurzen Blick zur Tribüne werfen, wo seine Mutter sitzt – und dann wird er aufschlagen. Danach? „Dann wollen wir mindestens ein Playoff-Spiel gewinnen. Und zwar genau das, das die Großen am meisten ärgert.“
Ludwigsburg hat seinen Thron, der Pokal steht bereit. Jetzt kommt nur noch die Krone – und die trägt in diesem Märchen kein Prinz, sondern ein 23-jähriger Außenangreifer mit Zahnspange und Siegeswillen.
