Barcelona zerlegt real madrid mit 6:2 – das rückspiel ist nur noch formsache

Real Madrid trat an, um den Titelverteidiger zu ärgern. Am Ende stand ein Debakel, das selbst das sogenannte „Clásico“-Etikett nicht mehr retten kann: 6:2 in eigener Halle, versenkt von einem Barça-Team, das in den ersten 20 Minuten schon alles klar machte.

Pajor und co. starten mit vollgas

Die ehemalige Wolfsburgerin Ewa Pajor eröffnete den Kirmes mit einem Flachschuss in den langen Eck (6.). Esmee Brugts köpfte nach, 3:1 zur Pause – Linda Caicedos sehenswerter Solo-Lauf war nur ein Strohfeuer. Die Daten liegen auf dem Tisch: Barca erzielte in der ersten Hälfte 2,3 xT, Real nur 0,8. Schon da war klar: Entweder die Königinnen lernen in 15 Minuten Fußball neu, oder sie buchen die Tickets für den 2. April nur aus Höflichkeit.

Was folgte, war kein Fußballspiel mehr, sondern eine Demonstration von Pressing-Sequenzen und positional play, das Madrid den Atem nahm. Pajor traf erneut, Vicky López schob aus 13 Metern ein, Caicedo verkürzte erneut – diesmal per Volley, aber es war wie Pflaster auf einer offenen Wunde. Alexia Putellas verwandelte den fälligen Strafstoß in der letzten Minute – 89. Spielminute, 89 Prozent Ballbesitz in der Schlussphase. Die Zahlen sind kein Tippfehler.

Sara däbritz und der abend, der in erinnerung bleibt

Sara däbritz und der abend, der in erinnerung bleibt

Für Sara Däbritz war es der bitterste Abend seit ihrer Rückkehr in die spanische Hauptstadt. Sie lief 87 Mal in der Liga auf, gegen Barça kam sie auf 26 Ballaktionen – bei 48 Prozent Passgenauigkeit. „Wir haben den Gegner eingeladen“, sagte sie nach Abpfiff mit zittriger Stimme. Dabei hatte sie vor Wochen noch angekündigt, „Barça Paroli bieten“ zu wollen. Stattdessen bot sie Paroli an – und kassierte ein halbes Dutzend.

Die Statistik dahinter: Real kassierte in dieser Saison erst acht Gegentore – innerhalb von 90 Minuten in Chamartín bekamen sie sechs serviert. Trainer Alberto Toril sprach von „einem Blackout auf ganzer Länge“, doch das klingt nach Beschönigung. Barca schoss aus fast jedem Drittel der zwölf erlaubten Aufbauzonen heraus. Keine Retros, keine Zweikampfquoten helfen, wenn das Tempo so hoch ist, dass selbst die Linienrichter schnaufen.

Halbfinale schon jetzt in sichtweite

Halbfinale schon jetzt in sichtweite

Am 2. April steigt das Rückspiel im Camp Nou. Theoretisch 90 Minuten Hoffnung, faktisch ein Schaulaufen. Barcelona hat in dieser Saison erst ein einziges Pflichtspiel verloren – gegen den FC Levante in der Copa, mit B-Team. Kein europäisches Trio traf häufiger als Pajor-Graham-Hansen-Putellas, kein Mittelfeld gewinnt mehr Ballverluste innerhalb von fünf Sekunden zurück. Real müsste mit vier Toren Differenz gewinnen, um die away-goals-Regel außer Kraft zu setzen. Und selbst dann: Barca erzielte in den letzten 15 Heimspielen 52 Tore.

Was bleibt? Ein Madrider Sommermärchen, das schon im Frühling endet. Für Barca ein weiterer Schritt Richtung Endspiel in München – und ein Statement, das in den Whatsapp-Gruppen der Konkurrenten innerhalb von Minuten kursierte: „Wer uns stoppen will, braucht mehr als Motivation – der Gegner braucht ein Wunder.“

Die Champions League hat ihren Favoriten. Und der trägt derzeit acht Tore und unendlich viel Selbstvertrauen im Gepäck.