Barça-wahlfarce: ter stegen staunt, stimmrecht bleibt ihm verwehrt

Marc-André ter Stegen wollte wählen, doch die Listen sagten Nein. Der deutsche Torwart erschien am Sonntagmorgen im Camp Nou, um bei den Präsidentenwahlen des FC Barcelona seine Stimme abzugeben – und wurde kurzerhand abgewiesen. Der Grund: Sein Name stand nicht im offiziellen Wählerverzeichnis.

Die Szene, die in sozialen Netzwerken binnen Minuten viral ging, wirkt wie ein Scherz. Ter Stegen, seit zwölf Jahren Mitglied des Klubs, inzwischen aber an Girona verliehen, wartet am Tisch der Wahlkommission. Eine Mitarbeiterin schüttelt den Kopf. Ein kurzer Blick auf das Tablet, ein Lächeln des Keepers, das mehr Verlegenheit als Humor ausdrückt – dann muss er gehen. Ohne Stimmzettel.

Ein torwart ohne stimme – und ein verein ohne klare zukunft

Die Wahl ist eng. 114.000 stimmberechtigte Mitglieder entscheiden, ob Joan Laporta weitere sechs Jahre an der Spitze bleibt oder ob Herausforderer Víctor Font das Ruder übernimmt. Die Lager sind aufgerissen, die Stimmung vergiftet nach Jahren finanzieller Turbulenzen und sportlicher Tiefs. Inmitten dieses Machtkampfes steht ein deutscher Nationaltorwart, der plötzlich selbst zum Symbol wird: für ein System, das auch eigene Spieler spätestens dann vergisst, wenn sie verletzt sind oder nicht mehr auf dem Rasen stehen.

Ter Stegen war im Sommer 2024 nach Girona ausgeliehen worden, weil Barça seine Gehaltsschere zusammenstutzen musste. Seit Wochen fehlt er wegen einer Oberschenkelblessur. Für den Klub, der ihn einst für 12 Millionen Euro aus Mönchengladbach holte, ist er derzeit nur noch eine Fußnote – offenbar auch im Wählerregister.

Die Reaktionen auf den Vorfall spalten sich. Auf Twitter sprechen Fans von „peinlich“ und „typisch Barça“. Andere fragen, wie viele weitere Spieler oder ehemalige Spieler das gleiche Schicksal erlitten haben, nur ohne Kamera dabei. Die Antwort lautet: wahrscheinlich Dutzende. Denn wer nicht in der ersten Mannschaft spielt, rutscht schnell in digitale Nichtexistenz.

Ein tag, der mehr offenbart als nur ein technisches problem

Ein tag, der mehr offenbart als nur ein technisches problem

Der Vorfall ist kein isolierter Fehler. Er ist Spiegel eines Klubs, der seit Jahren mit struktureller Umnachtung kämpft. Während Laporta und Font sich gegenseitig Vorwürfe machen, wer die Schulden verursacht und wer sie abtragen will, zeigt der Fall Ter Stegen: Selbst die Basics funktionieren nicht mehr.

Am Ende des Tages bleibt ein Bild, das länger nachwirkt als jedes Wahlergebnis. Ein verdutzter Torwart, ein leeres Stimmzettelfach, ein Verein, der sich selbst ausgeschlossen hat – aus Versehen oder aus System. Ter Stegen wird wieder laufen. Ob Barça das auch schafft, entscheiden andere. Aber wer seine eigenen Spieler nicht mal zur Wahl lässt, der verliert vielleicht mehr als nur eine Stimme.