Barça-fans verwüsten busse – eigenes team trifft es härter als real
Steine, Flaschen, blanker Hass: Die Ankunft der Mannschaftsbusse am Camp Nou entartete in eine Nacht der Schande. Dabei erwischte es den eigenen Klub besonders heftig.
Erst rauch, dann prügel: wie ein irrtum zum eigentor wurde
Eine dicke Rauchwolke stieg auf, als der erste Bus die Avenida Arístides Maillol herunterrollte. Die Boixos Nois hatten Bengalos gezündet, um die Spieler zu empfangen. Doch der Wind drehte, die Sicht verschwamm – und die Radikalen glaubten, das weiße Fahrzeug des Real Madrid vor sich zu haben. Was folgte, war ein Hagel aus Pflastersteinen und Metallrohren. Erst Sekunden später fiel auf: Unter der Rußschicht steckt der offizielle FC-Barcelona-Reisebus, lackiert in Blau-Grana. Die eigene Mannschaft saß drin. Marc-André ter Stegen und Co. mussten sich auf den Boden werfen, um Verletzungen zu vermeiden.
Den echten Gegner erwischten sie danach mit der gleichen Wut. Als der zweite Bus – diesmal tatsächlich mit dem Real-Emblem – an der Rambla de Santa Madrona vorbeifuhr, zerbarst die Frontscheibe mit einem lauten Knall. Ein großer Stein landete im Gang, Glas splitterte bis in die Kabinen. Keiner der Spieler wurde verletzt, doch die Bilder erinnern an dieselbe Stelle vor drei Monaten, als der Bus von Atlético Madrid hier ebenfalls attackiert und mit roten Farbbeuteln beschmiert wurde. Die Mossos d’Esquadra nahmen vier Verdächtige fest, zwei von ihnen erst vor kurzem wieder auf freiem Fuß.

Der preis des derbis: 18 000 euro schaden, unzählige fragen
Der materielle Schaden liegt laut Polizeiangaben bei mindestens 18 000 Euro – nur am Fahrzeug von Real Madrid. Der FC Barcelona rechnet intern mit einem ähnlichen Betrag für den eigenen Bus, will die Zahl aber nicht offiziell bestätigen. Dabei ist das Sicherheitskonzept erst vor zwei Jahren verschärft worden: höhere Poller auf Gehsteigen, mehr Kameras, zusätzliche Absperrungen. Die Maßnahmen halten fanatische Chaoten offensichtlich nicht auf.
LaLiga forderte umgehend härtere Strafen. „Wir werden den Staatsanwalt ersuchen, Vereine bei wiederholten Vorfällen mit Geisterspielen zu belegen“, sagte Präsident Javier Tebas. Der Club selbst reagierte mit einer knappen Presseerklärung: „Verurteilung jeglicher Gewalt“, hieß es darin, mehr nicht. Kritiker werfen dem Vorstand vor, die Ultrà-Szene jahrelang geduldet zu haben, solange sie Stimmung im Stadion machte. Jetzt schlägt dieselbe Welle zurück – und trifft die eigenen Spieler.
Für den Katalanen ist der Vorfall mehr als ein blauäugiger Ausrutscher. Er steht für ein strukturelles Problem: Wenn 200 Randalierer das Bild bestimmen, sind 90 000 friedliche Fans schnell vergessen. Die UEFA beobachtet die Lage, ein erneutes Verfahren wegen „verweigerter Sicherheit“ liegt im Bereich des Möglichen. Die nächste Heimpartie in der Champions League rückt näher. Dann wird der Bus wieder vor dem Camp Nou halten müssen – und kein Spieler wird unbeschwert durch das Fenster blicken.
