Barça demütigt real in clásico-kracher – quesada gesteht: „wir sind eine klasse darunter“

4:0. Kein Tippfehler. Der FC Barcelona hat den Real Madrid in der Copa de la Reina regelrecht vernichtet und den Titelverteidiger auf dem Di Stéfano wie Schulmädchen aussehen lassen. Pau Quesada stand danach in der Mixed Zone, die Stimme rau vom Schelten, und sprach das aus, was 90 Minuten lang sichtbar war: „Wir sind eine Spur zu langsam, eine Spur zu leise, eine Spur zu klein.“

Quesadas albtraum in zahlen: 4 gegentore, 0 antwort

Schon nach acht Minuten klingelte es zum ersten Mal im Real-Kasten. Dann wieder in der 24. Und noch vor der Pause lag das Team mit 0:3 zurück. Die Statistik liest sich wie ein Gutachten gegen das eigene Selbstverständnis: 38 % Ballbesitz, nur zwei Torschüsse im Strafraum, dafür 14 Ballverluste im Aufbauspiel. „Wenn du im Clásico zweimal den Ball verschenkst, ist das Spiel gelaufen“, sagte Quesada und kratzte sich sichtbar nervös am Kopf.

Die Marschrichtung für das Rückspiel am Sonntag ist klar: „Wir müssen nach vorne preschen, aber ohne offene Flanken zu verteidigen.“ Dabei dürfte es auf den Einsatz von Claudia Zornoza ankommen, die mit ihrer Ballsicherheit und dem Blick für die Lücke im Mittelfeld die einzige war, die das Tempo der Katalaninnen halbwegs mitging. Doch auch sie schaffte es nicht, die Lücken zwischen den Linien zu schließen.

Romeus risko zahlt sich aus – serrajordi wird zur chefin

Romeus risko zahlt sich aus – serrajordi wird zur chefin

Während Quesada mit der Scham rang, strahlte Pere Romeu auf der anderen Seite des Flurs. Der Coach des FC Barcelona hatte mit Marta Serrajordi eine 22-jährige Innenverteidigerin ins Zentrum gestellt – und die machte 90 Minuten lang Dampf. „Marta kann sowohl die erste Pressinglinie stören als auch den Ball in die Tiefe tragen“, erklärte Romeu. „Heute hat sie beides gezeigt.“

Die Taktik war simpel, aber effektiv: Barça ließ Real laufen, schaltete nach Ballgewinn um wie ein U-Boot, das plötzlich auf Höchstgeschwindigkeit schaltet. Ergebnis: vier Tore, kein Gegentor, 67 % Ballbesitz. „Wir haben den Gegner nie zur Entfaltung kommen lassen“, sagte Romeu. „Das ist unser Anspruch, nicht nur heute, sondern in jedem Spiel.“

Die nächste Hürde folgt schon am Sonntag im Camp Nou. „Da wird es laut, da wird es heiß“, warnte Romeu. „Aber wir haben jetzt einen Vorsprung, und der darf uns nicht in Selbstzufriedenheit verfallen lassen.“

Die stimmung im real-lager: „wir müssen uns neu erfinden – in 72 stunden“

Die stimmung im real-lager: „wir müssen uns neu erfinden – in 72 stunden“

In der Kabine von Real Madrid herrschte nach dem Schlusspfiff betretenes Schweigen. Caroline Møller schlug die Hände vors Gesicht, Naomie Feller schmiss die Stutzen in die Ecke. „Wir haben den Glauben an uns selbst verloren, sobald das erste Tor fiel“, gestand Quesada. „Das darf uns nie wieder passieren.“

Die Aufgabe ist gewaltig: Ein 0:4-Rückstand ist im Frauenfußball so gut wie ein K.o. Und doch gibt es eine kleine Hoffnung: Im letzten Jahr drehte der FC Barcelona ein 0:3-Hinspiel gegen Chelsea noch in einen 4:3-Sieg. „Fußball ist kein Schönheitswettbewerb, sondern ein Ergebnissport“, sagte Quesada mit geradezu verzweifelter Ruhe. „Am Sonntag zählt nur eins: Wir müssen gewinnen. Alles andere ist Makulatur.“

Die Uhr tickt. In 72 Stunden steigt das Rückspiel. Real muss drei Tore schießen, ohne eins zu kassieren. Barça mussen nur eins machen, um den Traum vom Double lebendig zu halten. Die Copa de la Reina ist noch lange nicht entschieden – aber der Clásico hat endgültig eine neue Gewichteinheit bekommen.