Bara sapoko ndiaye: der 18-jährige, der beim 4:3-wahnsinn in mainz durchstartete

Vincent Kompany schüttelte nach dem 4:3 in Mainz den Kopf – nicht wegen der drei Gegentore in 37 Minuten, sondern wegen dem 18-Jährigen, der mitten im Sturm stand und trotzdem nicht ertrank. Bara Sapoko Ndiaye, vor 14 Tagen noch Gambinos-Star, jetzt Senkrechtstarter im Bayern-Mittelfeld, bekam seine erste Bundesliga-Startelf-Chance – und eine Lehrstunde, wie sie brutaler kaum sein könnte.

0:3 Nach 37 minuten – und keiner schrie ihn an

Die Mainzer preschten, die Bayern stolperten. Ndiaye, eigentlich für die Sechser-Position eingeplant, rutschte nach links, wurde von Boëtius und Amiri an die Seitenlinie gedrängt, verlor drei Zweikämpfe in Folge – und bekam trotzdem keinen Pfiff von Kompany. „Er braucht das, um zu lernen“, sagte der Coach später. Die Statistik zeigt: 82 Ballkontakte, 93 % Passquote, alle vier Dribblings erfolgreich. Zahlen, die verstecken, dass er in der 21. Minute fast in Tränen ausgebrochen wäre, wie Teamkollegen berichten.

Doch das ist die andere Geschichte vom Samstag: Die Mannschaft, die ihn vor sieben Wochen aus Afrika holte, hielt den Jungen aus Tambacounda über Wasser. Kimmich schubste ihn nach vorne, Laimer schrie „weiter machen, Bara!“ – und in der 58. Minute dann die Szene, die im Internat noch Wochen herumgehen wird: Ndiaye entreißt Kohr den Ball, spielt den Doppelpass mit Musiala und leitet den Anschlusstreffer ein. 1:3, Anpfiff zur Aufholjagd.

Champions-league-aus – aber deutscher meister

Champions-league-aus – aber deutscher meister

Am Dienstag darf er nicht mit nach Paris. Lizenztechnisch ist er für die K.o.-Phase nicht gemeldet, ein Detail, das ihn sichtlich wurmt. „Ich wollte Neymar sehen“, sagt er leise, während er seine Stutzen runterzieht. Dafür steht sein Name schon jetzt auf der Meisterschale – ein Satz, der ihn lachen und die Umkleide auflachen lässt. Denn wer ihn erlebt, merkt: Der Junge trägt sein Glück nicht lässig, er klammert sich fest, als wäre es ein Foul an der Mittellinie.

Ob er bleibt? Der Leihvertrag endet im Juni, eine Kaufoption liegt bei 1,5 Millionen Euro – Kleingeld für den Rekordmeister, ein Vermögen für den Spieler, der vor einem Jahr noch barfuß auf Sandplätzen trug. Kompany gibt sich diplomatisch: „Wir schauen, wie er die nächsten Wochen trainiert.“ Die nächsten Wochen – das sind drei Bundesliga-Spiele, vielleicht 45 Minuten, vielleicht 90. Genug, um sich einen Platz zu erkämpfen. Oder um sich zumindest einen Namen zu machen, der länger in Erinnerung bleibt als das wilde 4:3 von Mainz.

Sapoko Ndiaye verlässt die Mixed Zone mit einem Grinsen, das trotz Blutunterlaufenen am Oberschenkel nicht verblasst. „Nächstes Mal“, sagt er auf französisch-infiziertem Deutsch, „gewinnen wir 4:0 – und ich spiele durch.“ Keine Frage, kein Wunsch, eine Ansage. Und wer ihn beim Abpfiff hat stehen sehen, weiß: Er meint es ernst.