Baldini weint im interview: „ich habe mehr um meinen hund als um meinen vater geheult“

Luxemburg – ein 1:0 in letzter Minute, ein Trainer, der nachher über seinen toten Hund bricht, und eine Nationalelf, die plötzlich wieder jung, mutig und zornig wirkt. Silvio Baldini, seit drei Tagen Interims-Coach der Squadra Azzurra, schickte gestern Abend in Esch-sur-Alzette die jüngste Elf seit 1912 aufs Feld – Durchschnittsalter 22,4 – und gewann trotzdem. Pio Esposito köpfte in der 89. Minute den Ball zur Erleichterung ins Netz, nur Donnarumma stand noch von der Bosnien-Pleite.

„Diese truppe hat werte – und noch luft nach oben“

„Ich wusste, dass sie es können“, sagte Baldini mit rauer Stimme, Sekunden nach dem Schlusspfiff. „Sie sind Debütanten, aber keine Flattermänner. Die Sterne standen gut, aber die Schüsse im ersten Durchgang nicht.“ Tatsächlich: Elf Torchancen in 45 Minuten, nur zwei aufs Tor. Die Kurve der Italiener-Fans, knapp 1.200 Seelen, sang trotzdem, als gäbe es ein WM-Finale.

Die Szene des Abends aber passierte nicht auf dem Rasen. Im Mixed-Zone-Mikrofon brach der 60-Jährige in Tränen aus, als er auf seinen Hund Nebbia angesprochen wurde. „Er starb vor zwei Wochen. Ich habe mehr geweint als damals für meinen Vater.“ Die Reporter verstummten, nur die Kameras summten. Manchmal sagt eine einzelne emotionale Implosion mehr über den Druck eines Trainers als jede Taktik-Tafel.

Der angst-mechanismus: „ein einziges falsches zahnrad“

Der angst-mechanismus: „ein einziges falsches zahnrad“

Baldini beschreibt sich selbst als „seltsam“. Emotionen spüre er vor Spielen nicht, nur Sorge. „Ich habe Angst, den Jungs nicht zu helfen. Wie ein Uhrwerk – ein falsches Zahnrad, und alles klemmt.“ Diese Angst trieb ihn in der Halbzeit dazu, Pisilli und Koleosho neu zu justieren. Pisilli traf den Pfosten, Koleosho legte Espositos Kopfball vor. Das Uhrwerk tickte wieder.

Die Zahlen sprechen: Erste Länderspiel-Siege für sieben Spieler, nur Donnarumma und Esposito über 23. Der Rekord? Ein Schnitt von 22,4 Jahren, seit 1912 nicht mehr erreicht. Die Zukunft beginnt, während die Gegenwart noch jubelt.

Luxemburgs Nacht war Italiens Morgen. Baldini wischte sich die Tränen ab, schluckte und sagte knapp: „Jetzt fahren wir nach Parma und schrauben an den Details.“ Keine Frage, kein Pathos – nur die nüchterne Gewissheit, dass das neue Kapitel schon jetzt besser schmeckt als das alte.