Aytekin packt aus: „hass“ und zweifel an der eigenen karriere

Der Bundesliga-Schiedsrichter Deniz Aytekin hat in einem beunruhigenden Interview mit dem stern-Magazin seine Erfahrungen mit massivem Hass und der damit verbundenen Belastung offenlegt. Kurz vor seinem Karriereende spricht er Klartext über die extremen psychischen Auswirkungen, denen er und seine Familie ausgesetzt waren – und stellt die Frage, ob sich die Mühe angesichts der anhaltenden Anfeindungen überhaupt noch lohnt.

Der preis der pfeife: zweifel und überprüfungen

Aytekin schildert, wie er sich immer wieder fragte, ob er diesen Druck und diese Hassnachrichten aushalten könne. „Macht das noch Sinn? Immer wieder dieser Hass, will ich das ertragen? Hält meine Familie das aus? Kein Sport der Welt ist es wert, dass man sich in Gefahr bringt“, so der 47-Jährige. Diese Zweifel seien bei ihm immer wieder aufgestiegen, doch die Liebe zum Fußball habe letztlich jedes Mal gesiegt.

Doch die öffentliche Wahrnehmung der Schiedsrichterarbeit ist aus seiner Sicht weit entfernt von der Realität. Viele würden immer noch glauben, es handele sich lediglich um eine „Samstagsbeschäftigung“ ohne nennenswerten Aufwand. „Aber den Aufwand, der dahinter steht, sehen sie nicht, die Opfer, die wir bringen, sehen sie nicht.“

Permanent am anschlag: der fußball wird schneller

Permanent am anschlag: der fußball wird schneller

Der Druck auf die Schiedsrichter hat sich laut Aytekin durch die Dynamik des modernen Fußballs enorm gesteigert. „Das Stresslevel ist permanent am Anschlag. Es gibt bald gar keine Ruhephasen mehr.“ Selbst wenn die Entscheidungen korrekt getroffen werden, werde es immer Kritiker geben.

Ein besonders schmerzlicher Vorfall war eine beleidigende E-Mail eines Klinikchefs, die Aytekin als „dermaßen beleidigend“ bezeichnete, dass er sich fragte, wie jemand in einer solchen Position zu so einem Verhalten fähig sei.

Doch es gab auch positive Momente. Aytekin erinnert sich mit einem Lächeln an seine verbalen Duelle mit dem ehemaligen Münchner Thomas Müller. „Das war immer unterhaltsam und oft auch nah am Kabarett, weil der verbal so gut gekontert hat, da kam ich manchmal richtig ins Grübeln.“

Die Offenbarung Aytekins wirft ein Schlaglicht auf die schwierige Situation der Schiedsrichter im Profifußball und unterstreicht die Notwendigkeit eines respektvolleren Umgangs miteinander. Die Frage bleibt: Wie kann der Fußball seine Unparteiischen besser schützen und ihnen die Anerkennung zuteil werden, die sie verdienen? Die Antwort liegt nicht allein beim Schiedsrichter.