Zieker schlägt lemgo: stuttgart will heimfluch in punkte verwandeln

Patrick Zieker ballt die Faust. 15:9 Punkte – so lautet die Heimbilanz des TVB Stuttgart, ein Wert, der die Porsche-Arena zur Festung macht. Doch am Sonntag (16.30 Uhr) kommt mit dem TBV Lemgo Lippe der Tabellensechste, der auswärts denselben Schnitt holt. Ein Duell auf Augenhöhe, das die Play-off-Karten neu mischt.

Die wild boys zünden erst zu hause

Zieker spürt es schon in der Kabine. „Wenn die 8.000 in der Halle brüllen, steigt uns das Adrenalin durch die Decke“, sagt der Linksaußen. Die Zahlen sprechen für ihn: Stuttgart startet mit einer Effektivität von 68 Prozent im Angriff, kassiert im Schnitt nur 23 Gegentore. Auswärts? 54 Prozent und 28 Treffer gegen sich. „Wir laufen nicht weniger, aber die Klarheit fehlt“, analysiert der 32-Jährige. Die Lösung: schnelleres Umschaltspiel, weniger Ballverluste, mehr Risiko statt Sicherheitspass.

Lemgo ist kein Zufallsgast oben. Florian Kehrmanns Mannschaft spielt eine Saison wie aus dem Lehrbuch: tief gestaffelt, vier Rückraumspieler, tempoarmes Kombinationsspiel. Tim Suton und Lukas Hutecek schrauben die Fehlerquote auf unter acht pro Partie, Niels Versteijnen wirft aus neun Metern Lücken in jede Abwehr. „Die kennen ihren Job bis ins Detail“, warnt Zieker. Den Lippern droht sogar ein nachträglicher Punktgewinn in Mannheim – ein offenes Dopingverfahren gegen die Löwen könnte Lemgo auf Rang vier katapultieren.

Rückkehr ohne rückstände

Rückkehr ohne rückstände

Für Zieker ist es ein Sechsmal-Elfmeter. Sieben Jahre trug er das Lemgo-Trikot, wurde dort zum Nationalspieler. „Ich kenne jeden Fleck im Handball-Zentrum, aber heute zählt nur Schwarz-Weiß“, sagt er. Die Gefühle hat er abgelegt, nicht aber die Insiderinformationen. „Sie verlagern die Deckung in der 45. Minute, wenn die Gegner müde sind.“ Stuttgart will dem mit einer Doppelwechsel-Offensive begegnen: frisches Tempospiel, frühes Werfen, bevor Lemgo die Abwehr verschiebt.

Die Fanblock-Kurve in der Arena ist schon ausverkauft. Die Westtribüne wird zu einer Wand aus Lärm, die Lemgo in der Vergangenheit schon zweimal in der Schlussminute kippen ließ. „Wenn wir die Energie nutzen, springt der eine oder zwei Tore Vorsprung heraus – und genau der zählt am Ende“, sagt Zieker. Die Wild Boys haben 48 Stunden, um die Auswärtsschwäche zu vergessen. Danach entscheidet sich, ob die Porsche-Arena weiter die stärkste Festung der Liga bleibt – oder Lemgo die nächste Grenze einreißt.