Zeekr x erobert italiens straßen – chinas tesla-killer ab 39.100 euro

Die ersten Kilometer hinter dem Flughafen Rom-Fiumicino fühlen sich an wie ein heimlicher Coup: Zeekr, die Fresh-Fashion-Marke aus dem Geely-Kosmos, schickt den X-Crossover ins Rennen – und verlangt dafür weniger Geld als ein VW ID.3. 272 PS, 446 km Reichweite, Preisschild ab 39.100 Euro. Die Rechnung: Premium-Look ohne Premium-Preis. Ob das aufgeht, haben wir zwischen Palmenreihen und Vorfeldzonen getestet.

Warum der x italiens e-auto-karte neu mischt

Die Plattform ist kein Geheimnis: Sea-Architektur, dieselbe Basis, die auch Volvo EX30 und Smart #1 antreibt. Doch während Schweden und Deutschland ihre Kleinwagen mit Lifestyle-Anstrich verkaufen, setzt Zeekr auf 500 Liter mehr Laderaum und ein 14,6-Zoll-Touch, der das Cockpit wie ein iPad-Pro dominiert. Kein physischer ADAS-Knopf, keine Lüftungsdreher – alles läuft über Glas. Gewöhnungsbedürftig? Ja. Zukunftsweisend? Vielleicht.

Unter der Haube werkelt ein 69-kWh-NMC-Pack, das nach WLTP 446 km verspricht. Unser Bordcomputer zeigte nach 120 km Stadt- und Landstraße 17,2 kWh/100 km – bei 28 Grad Außentemperatur und Klima auf „Eco“. Die 343 Nm treten sanft, aber bestimmt auf, ein 0-100-Sprint in 5,6 Sekunden reicht, um Kleinwagen im Rückspiegel zu versenken. Die Höchstgeschwindigkeit ist auf 180 km/h gedrosselt – ein Wert, der in Italien eher theoretisch bleibt.

Der innere widerspruch: luxus versus alltag

Der innere widerspruch: luxus versus alltag

Die Sitze sind mit Eco-Leder und Stoff kombiniert, die Verarbeitung wirkt solide – bis man nach dem Glovebox-Deckel greift. Es gibt keinen. Stattdessen verschwindet die Zulassungsbescheinigung in einem Mesh-Netz auf dem Mitteltunnel. 362 Liter Kofferraum klingen nach B-Segment, doch die Klappe öffnet elektrisch und gibt sich premium. Ein Paradox: 44.100 Euro kostet die Long-Range-Version, doch ein Handschuhfach ist Luxus.

Die Fahrdynamik folgt dem Komfort-Manifest: Federung weich, Rollpiano erträglich, Lenkung ohne Ecken und Kanten. Wer Kurven attackiert, spürt die 1,85 Tonnen – die Karosse neigt sich, als würde sie beim Apéritif mitgehen. Dagegen wirkt der Hyundai Kona Electric wie ein Gokart. Die Zielgruppe ist klar: Pendler, die Design wollen, aber nicht für einen Tesla Model Y zahlen.

Marktstart mit tücken: ladesäulen und lieferzeiten

Marktstart mit tücken: ladesäulen und lieferzeiten

Zeekr Italien startet mit drei Händlern – Mailand, Rom, Bologna – und verspricht 150 kW-Gleichstrom in 30 Minuten von 10 auf 80 Prozent. Doch die Kooperation mit Enel X steht noch aus, an vielen Autobahnraststätten fehlt der CCS-Stecker. Wer jetzt bestellt, wartet laut Importeur sechs Monate. Die ersten 500 Kunden erhalten eine Wallbox gratis – ein Trostpflaster für die Lade-Chaos-Realität.

Die Garantie: 8 Jahre oder 200.000 km auf die Batterie, 5 Jahre Fahrzeuggarantie ohne Kilometerbegrenzung. Das schlägt VW und BMW, die bei der Hochvolt-Batterie nur 160.000 km zusichern. Ein Druckmittel im Preiskampf – und ein Seufzer der italischen Konkurrenz.

Fazit nach 200 kilometern

Fazit nach 200 kilometern

Zeekr liefert keinen Sportwagen, sondern ein Statement: China kann Premium, ohne deutsche Preise. Der X ist komfortabel, geräuscharm und ausgestattet wie ein Upper-Class-Hotel – nur mit Zimmer auf Rädern. Wer Handschuhfach und harte Sportlichkeit sucht, bleibt bei VW oder BMW. Wer 400 echte Kilometer für unter 40.000 Euro will, bekommt mit dem X ein Sonderangebot – und ein Stück Zukunft, die schon morgen Standard sein könnte.