Wolfsburg wirbelt das abstiegs-duo durch: hecking holt schwegler auf die bank

Der VfL Wolfsburg zieht die Notbremse – und rüttelt an allen Hebeln. Dieter Hecking übernimmt das Ruder, Sportdirektor Pirmin Schwegler rutscht von der Tribüne direkt neben ihn auf die Bank, und Aufsichtsrat Diego Benaglio wird zur Krisen-Lotsin im Dress der Wölfe. Nach dem Desaster gegen Hamburg (1:2) und der Ablöse von Geschäftsführer Peter Christiansen ist das Motto klar: Umsteigen oder Untergang.

Schwegler wechselt von der theorie in den strafraum

Seit Mitte Dezember versuchte Schwegler, den Kader aus dem Büro heraus zu retten. Drei Monate, die sich anfühlen wie drei Jahre. „Ich habe alles mitbekommen, alles miterlebt“, sagt der frisch 39-Jährige, ohne das Wort „Chaos“ in den Mund zu nehmen. Doch reines Management reicht nicht mehr. Von nun an sitzt er in Regenjacke zwischen Ersatztorwart und Co-Trainer, ein Ohr am Vierten Offiziellen, ein Auge auf Heckings Emotionen. „So kann ich intervenieren, bevor Dieter die Gelbe kassiert“, lacht der Coach. Die Botschaft: Geschlossenheit statt Einzelkämpferei.

Die Idee war schon beim Vorgänger angedacht, doch erst der Rückstand auf den Relegationsplatz – nur vier Punkte trennen die Wölfe vom sicheren Ufer – macht sie zur Chefsache. Schwegler wird zum Live-Schaltkreis zwischen Rasen, Video-Wand und Kabine.

Benaglio kehrt ins getümmel zurück

Benaglio kehrt ins getümmel zurück

Wer dachtet, Diego Benaglio hätte seine aktive Zeit hinter sich, wurde eines Besseren belehrt. Der ehemalige Meistertorwart, eigentlich Aufsichtsrat mit Beobachterstatus, rückt in den operativen Modus. Sebastian Rudolph spricht offen von einer „sportlichen Lücke“, die der 42-Jährige bis Saisonende füllen soll. Konkret: Benaglio wird Teil des Trainingsbetriebs, Mittler zu Fans, Spielern und Hecking – und gleichzeitig Sprachrohr des Präsidiums.

Am Samstag machte er die Probe aufs Exempel. Als nach dem HSV-Spiel die Nordkurve in Flammen stand, stapfte er zusammen mit Schwegler durch Rauch und Pyro, sprach mit wütenden Anhängern, hörte zu, erklärte, beschwichtigte. Ein Bild, das viele Wolfsburger nicht für möglich gehalten hätten: ihr ehemaliger Kapitän als Feuerwehrmann in eigener Sache.

Hecking will den knoten per sofort-maßnahme zerlegen

Hecking will den knoten per sofort-maßnahme zerlegen

Der neue alte Trainer weiß, dass seine Rückkehr kein Selbstläufer wird. „Der VAR, der Vierte Offizielle und ich – das passt nicht immer“, gibt er unverblümt zu. Mit Schwegler an seiner Seite gewinnt er einen externen Kühlschrank, der die Temperatur zwischen Bank und Schiedsrichter senken soll. „Pirmin kennt die Jungs, kennt die Nerven, kann deeskalieren.“ Die Devise lautet: Keine Einzelkämpfer, sondern Doppelformation.

Ob das reicht, um die Wölfe aus dem freien Fall zu reißen, bleibt offen. Drei Punkte aus den letzten sieben Spielen sprechen eine deutliche Sprache. Doch mit vier Punkten Rückstand ist der Relegationsplatz noch in Reichweite. „Wir haben noch acht Endspiele“, sagt Hecking. Die ersten beiden finden schon am Sonntag in Bremen statt – und danach auf Schalke. Wer dort nicht zulegt, kann die Koffer packen.

Der VfL Wolfsburg setzt also alles auf eine Karte: Emotionale Nähe, personelle Nähe, räumliche Nähe. Tribüne und Kabine rücken zusammen, Manager wird Co, Aufsichtsrat wird Mannschaftsbetreuer. Entweder das rettet den Club – oder beschleunigt den Sturz. Die Uhr tickt. Und die Kurve wartet auf Antworten, nicht auf Ausreden.