Wolff packt aus: „ich bin antonelli’s ersatzvater, coach und psychologe“
Toto Wolff spricht Klartext. Der Mercedes-Teamchef gibt sich in Castrezzato nicht nur als Technokrat, sondern als Seelenklempner, Sparringspartner und Beschützer – für seinen Teenager-Star Andrea Kimi Antonelli und dessen Teamkollegen George Russell gleichermaßen.
„Kimi war nie ein risiko, nur ein timing-experiment“
Während Antonelli auf dem Kartplatz von Franciacorta mit Vater Marco die Mini-U10-Klasse von der Tribüne aus verfolgte, erklärte Wolff gegenüber unserem Reporter, warum er den Bologneser mit 18 direkt ins F1-Cockpit hob. „Wer ihn in den Karts gesehen hat, wusste: Er gewinnt, egal auf welchem Belag. Das einzige Fragezeichen war nie die Geschwindigkeit, sondern die Druckkochmaschine namens Formel 1.“
Die italienische Siegesserie in Shanghai bestätige seine These. „Jetzt rockt er nicht nur die Strecke, sondern auch die sozialen Netzwerke. Das birgt Gefahr – deshalb bauen wir eine Mauer aus Eltern, Psychologen und alten Rennhasen um ihn herum.“
Wolff schmunzelt, als er von früheren Kritikern spricht. „Twitter-Experten, die nie ein Datenblatt in der Hand hatten, nannten es Voodoo. Ich nenne es langfristige Personalplanung.“

Duell russell vs. antonelli: „kein kindergarten, faire chance“
Die interne Rivalität zwischen dem WM-Routinier Russell und dem Neuling bezeichnet Wolff als „kontrollierbares Pulverfass“. Sein Credo: „Ich bin der Schiedsrichter, der Vater, der böse Onkel und der Sponsor in einem. Beide bekommen die gleiche Karbon-Version, die gleige Boxenstop-Strategie und die gleiche Zielgerade. Danach heißt es: May the best man win.“
Den Erfolg in China schiebt er keinem einzelnen Ingenieur zu. „Das war Team-Chemie: 700 Leute in Brackley, 200 in Brixworth, zwei Fahrer, ein Ziel – Punkte sammeln und Rekorde jagen.“
Die Zahl, die er nennt, klingt wie ein Kampfslogan: „19 Jahre alt, 52 Runden, 1,2 Sekunden Vorsprung. So beginnt ein Mythos, nicht so ein Hype.“
Jack wolff am kart-steuer: „motorsport ist unsere familiensprache“
Privat ist der Österreicher mit Frau Susie und Sohn Jack an den Kartbahn unterwegs. Der Zwölfjährige fuhr in Castrezzato auf Platz drei – hinter Sasha Miras Y Munoz und Johan Berger, Sohn des Ex-F1-Piloten Gerhard Berger. „Für uns ist das kein Sonntagsausflug, sondern Bildungsurlaub. Jack lernt hier, dass Asphalt kein Geschenk ist, sondern ein Lehrer.“
Wolff senior sieht keinen Zwang zur nächsten Generation. „Wenn er morgen lieber Fußball spielt, ist das okay. Aber wenn er fragt, warum Onkel Kimi nach 320 km/h noch lächelt, dann erkläre ich ihm die 1.000 kleinen Schrauben, die hinter dem Lächeln stecken.“
Sein Fazit fällt knapp aus: „Antonelli wird nicht jedes Rennen gewinnen, aber er wird jedes Rennen verändern. Und wir werden dabei sein – als Zuschauer, als Ingenieure, als erste Adresse, wenn der Ruhm laut wird.“
