Wehrlein und mortara liefern sich krimi auf spaniens längstem e-prix-kurs
Pascal Wehrlein fliegt mit nur sechs Punkten Vorsprung nach Madrid-Jarama – und keiner kennt die 3,934 km der Hügelpiste. Das macht den Samstag zur Schicksalsrunde der Formel-E-Saison 2025/26.
Warum jarama jetzt alles verändern kann
Der Circuito de Madrid-Jarama ist kein Neuling, aber für die Elektro-Renner ein unbeschriebenes Blatt. 14 Kurven, 68 Höhenmeter, eine Startgerade, die sich windet wie ein Stierkampfring – und dazu die längste Strecke, die die Serie je bespielt. 21 Runden, dann ist Schluss. Kein Vorwissen, keine Referenzwerte, reines Instinktrennen.
Wehrlein spürt den Druck. Der Porsche-Pilot führt die WM mit 68 Punkten an, doch Edoardo Mortara schläft nicht. Der Schweizer pilotiert die Mahindra wie ein Messer durch die Verkehrschaos-Strecken der Welt – und in Saudi-Arabien zeigte er, dass er auch aus der zweiten Reihe noch zubeißen kann. Sein Rückstand: sechs Zähler. Das ist weniger als ein Schnelllade-Boost.
Denn genau dieser Boost wird zum X-Faktor. Zum zweiten Mal in dieser Saison müssen alle Piloten nach genau 30 Sekunden an die Box, um zehn Prozent Extra-Energie abzuholen. 600 kW schießen in die Akkus, während die Mechaniker zählen. Wer zu früh kommt, verliert. Wer zu spät kommt, verliert noch mehr.

Spanien feiert sein heimspiel – mit ticktum und martí
Die Rufe werden laut werden. Cupra schickt mit Dan Ticktum und Pepe Martí zwei Fahrer ins Rennen, die das Logo des Raval Madrid E-Prix auf ihre Helm visieren tätowiert haben. Martí, einziger Spanier im Feld, kennt jede Schramme des Kurses aus Jugendtagen – nur eben nicht mit 320 PS unter der rechten Fußsohle.
Nissan hofft auf Oliver Rowland. Der amtierende Champion wartet noch auf seinen ersten Saisonsieg, doch die 49 Punkte zeigen: Die Note ist da, nur der Ton fehlt. Jaguar dagegen schickt ein Doppelpack voller Selbstvertrauen: Mitch Evans und António Félix da Costa haben bereits gewonnen, sie wissen, wie man Attack-Mode und Heckflügel in einem Atemzug nutzt.
Und dann ist da noch Nick Cassidy. Der Neuseeländer startete fulminant, verpatzte aber zuletzt zwei Rennen in Jeddah. 48 Punkte – ein Schlag auf die Schultern, aber kein K.o. Bei Citroën spricht man hinter vorgehaltener Hand von „Samstag oder nie“.
So sehen sie den krimi live
Freitag, 16:30 Uhr: Erstes freies Training. Samstagmorgen, 8:30 Uhr: Letzter Check vor dem Knock-out. 10:40 Uhr startet das Duell-Format der Qualifying-Groups – wer hier patzt, fliegt hinten raus. 15:05 Uhr geht das Licht auf Grün, 50 Minuten plus einen Rundenzähler später wissen wir, ob Wehrlein seine Krone verteidigt oder Mortara sie ihm in Heuschrecken-Manier entreißt.
Discovery+, HBO Max und Sportmediaset.de übertragen live. Im Free-TV schaltet Canale 20 um 15 Uhr ein. Eurosport 2 liefert Parallelton. Und wer unterwegs ist: Die offizielle Formula-E-App spuckt Daten schneller aus, als ein Ingenieur den Boost-Knopf drückt.
21 Runden, 14 Kurven, ein Boost, null Vorwissen. Jarama wird die Meisterschaft neu schreiben – und vielleicht auch die Herzen der Fans. Nach Samstag könnte die Tabelle enger zusammenrücken als je zuvor in dieser Saison. Das ist kein Rennen, das man sich entgehen lassen sollte.
