Volkswagen schluckt pwp: porsche-zentren in florenz, arezzo und pescara wechseln besitzer
Ein Schlag auf italienischem Parkett: Die Eurocar-Gruppe, größter italienischer Vertriebspartner der Volkswagen-Familie, hat die Pwp Srl übernommen – und damit drei Porsche-Zentren in der Toskano-Abruzzen-Region. 60 Mitarbeitende, 650 Neuwagen und 250 Gebrauchte im Jahr 2025 wechseln mit einem Federstrich an den Konzern, der bereits 60.000 Fahrzeuge jährlich ausliefert.
Die Summe bleibt geheim, die Botschaft nicht: Volkswagen rüstet sich für den nächsten Angriff auf den italischen Sportwagenmarkt. Bisher fehlte dem Eurocar-Portfolio in der Toskana noch Porsche – jetzt schließt die Lücke. Mit dabei: das 1989 gegründete Centrum in Florenz, das seit 2024 offiziell als „Top Partner“ von Porsche Italia gilt.
Was hinter der übernahme steckt
70 Prozent aller seit 1948 gebauten Porsche rollen noch über die Straßen – ein Wert, der die Werkstattuhr der Verkäufer ticken lässt. Pwp verwaltet nicht nur Neuwagen, sondern auch das Porsche-Approved-Programm mit 111 Prüfpunkten und den Classic-Sektor für Oldtimer-Restauration. Für Eurocar-Chef Matthias Moser ist das kein Zukauf, sondern ein Baukasten: „Wir integrieren Premium, Oldtimer und After-Sales in einer einzigen Plattform.“
Die Zahlen sprechen lauter als Marktstudien: 30.000 Werkstattstunden in Florenz, Arezzo und Pescara pro Jahr, ein durchschnittlicher Neuwagenpreis jenseits der 100.000-Euro-Marke, eine Auslieferungsquote von 98 Prozent innerhalb von 48 Stunden. Wer hier kauft, wartet nicht – er bezahlt.
Marktmacht mit postleitzahl
Mit der Übernahme wächst Eurocar auf 50 Standorte in neun Regionen und 1.900 Mitarbeitende. Dahinter steht die Porsche Holding Salzburg, die in 29 Ländern 529 Niederlassungen betreibt und 37.200 Menschen beschäftigt. In Italien ist der Konzern damit in der Lage, vom Kleinwagen bis zum Hypercar alle Marken aus einer Hand anzubieten – ein Vollsortiment, das lokale Händler erfrieren lässt.
Die Konsequenz: Kleine Freie verschwinden, Großkonzernen wächst die Macht. Wer in Zukunft in der Toskana einen 911er bestellt, bekommt ihn nicht mehr vom lokalen Familienbetrieb, sondern aus der gleichen Pipeline wie den Golf – nur mit anderer Preisliste.
2026 will Eurocar die Verkaufs- und Werkstattzahlen „deutlich steigern“. Internen Prognosen zufolge könnte allein das Centro Porsche Florenz die Auslieferungen auf 800 Neuwagen pro Jahr hochfahren – Tendenz steigend, solange die Wartelisten für den elektrischen Cayenne nicht kürzer werden.
Die italische Sportwagen-Landschaft verändert sich leise, aber unwiderruflich. Während andere Marken noch um Händler kämpfen, serviert Volkswagen Porsche jetzt mit der gleichen Logistik wie den Polo – nur dass der Polo keine 30.000 Stunden Werkstattzeit generiert. Die Zukunft gehört denen, die Daten, Lager und Kunden in einer Hand vereinen. Die Zukunft gehört den Großen.
