Verstappen wettert: die formel 1 wird zur öko-show

Max Verstappen ballert es raus, noch bevor das erste Licht in Melbourne auf Rot springt. „Wie Formel E auf Steroiden“ nennt der Weltmeister die neue Klasse, und er trifft einen Nerv. Was sonst PR-Geplänkel ist, klingt diesmal nach Aufstand im Fahrerlager.

Strom sparen statt vollgas

Der Grund: 2026 liefert der Verbrenner nur noch 55 Prozent der Power. Der Rest kommt aus einem Akku, der während der Runde gespeigt werden muss – mit Lift-and-Coast, mit 50 km/h-Zonen vor Kurven, mit einer Taktik, die selbst Fernando Alonso kalt lässt. „Unser Chefkoch könnte das Auto durch die Kurve steuern“, spottet der Spanier. Die Tribüne in Melbourne ist zwar neu nach Oscar Piastri benannt, doch die Frage ist, ob die Fans dort überhaupt noch echtes Racing sehen.

Die Zeiten sprechen eine klare Sprache. Die Test-Bestzeit in Bahrain lag drei Sekunden unter 2025 – ein Jahrhundertabsturz in der Königsklasse. Was auf dem Papier nach technischer Evolution klingt, fühlt sich im Cockpit nach Abschied von allem an, was einst Formel 1 war: Vollgas, Vollgas, Vollgas.

Fia beschwichtigt – die piloten lachen

Fia beschwichtigt – die piloten lachen

Stefano Domenicali, CEO der Serie, versucht zu dämpfen: „Die Panik verstehe ich nicht.“ Doch die kommt nicht von Twitter-Trollen, sondern von den schnellsten Männern der Welt. Lewis Hamilton nennt das Reglement „lächerlich komplex“, Charles Leclerc prophezeit enge Straßen ohne Überholmanöver. Der WM-Titel 2026, so Alonso, gehe nicht an den Besten, sondern an den besten Energiemanager.

Die Teams haben zwölf Tage Saisonvorbereitung hinter sich, doch keiner wagt eine Prognose. Selbst Red Bull-Chef Helmut Marko schweigt, was in der Motorsport-Welt so viel bedeutet wie ein Notruf. Die Boliden sind leichter, wendiger – und gleichzeitig zu 45 Prozent von Software-Algorithmen abhängig, die kein Fan sieht und kein Fahrer wirklich steuern kann.

Der Große Preis von Australien startet am Sonntag um 5:00 Uhr Mitteleuropäischer Zeit. Die Strecke ist 5,278 km lang, das Feld 20 Autos stark, die Ungewissheit unendlich. Die Formel 1 will grün, kleiner, effizienter sein. Ob sie dabei ihre Seele verkauft, entscheidet sich vor 120 000 Fans an der Albert-Park-Promenade – und vor Millionen Zuschauern, die hoffen, dass das nächste Safety-Car mehr Action bringt als das neue Power-Unit-Reglement.