Verstappen spottet über boost-knopf: „ich übe jetzt mit mario kart“
Shanghai – Max Verstappen lacht, aber es klingt nicht wirklich amüsiert. Der viermalige Formel-1-Weltmeister hat die neue Saison längst zur Parodie erklärt. „Ich habe den Simulator gegen meine Nintendo Switch getauscht“, sagt er am Donnerstag in der Fahrerlounge von Shanghai. „Mario Kart reicht völlig. Die Pilze kann ich mittlerweile zielsicher einsetzen.“
Die Pointe trifft ins Schwarze. Seit die FIA den sogenannten Manual Override Mode (MOM) eingeführt hat, drücken die Piloten auf der Gerade wie in einem Arcade-Rennen auf einen Boost-Knopf – und erhalten 400 kW Extra-Power. Die Gegner bleiben wie Blei zurück, die Fans verstehen die Welt nicht mehr.
„Das ist keine strategie, das ist glücksspiel“
Verstappen hatte den Vergleich mit Nintendos Kult-Racer schon in Melbourne bemüht. Charles Leclerc schloss sich an. Die Ingenieure rechnen mittlerweile nicht mehr mit Aerodynamik, sondern mit Item-Box-Wahrscheinlichkeiten. Die FIA versprach mehr Überholmanöver, liefert aber eine digitale Lotterie. Wer den Knopf zuerst drückt, gewinnt. Wer ihn vergisst, fliegt raus.
Die Zahlen sind eindeutig: In Australien lag der Vorsprung nach dem Boost bei 0,35 Sekunden pro Sekunde Vollgas. Das entspricht in etwa dem Vorsprung, den ein Mario-Kart-Spieler nach dem Ziehen eines Stern hat. Die Mechaniker sprechen nicht mehr von Setup-Fenstern, sondern von Cooldown-Zyklen. Die Piloten studieren keine Streckenanalysen, sondern Tastenbelegungen.

Shanghai wird zum testlabor
Der 5,3 Kilometer lange Kurs gilt als Boost-Paradies: Zweimal 1,2 Kilometer Gerade, zwei Mal die Chance, den Gegner mit einem Klick zu pulverisieren. Die Teams haben bereits Extra-Kühler eingebaut, damit die Batterie nicht vor dem Drücken kapituliert. Die Fahrer trainieren nicht mehr im Fitnessraum, sondern mit Daumenbandagen. Die Daumen sind das neue Herz der Taktik.
Verstappen blickt auf den Sprint am Samstag (4.00 Uhr MEZ) und lacht wieder. „Ich hoffe, ich bekomme keine blaue Schale. Die hinterlässt Ärger im Fahrerchat.“ Hinter ihm steht ein Poster von Mario und Luigi. Die PR-Abteilung hat es aufgehängt – aus Ironie oder als Warnung, das weiß keiner mehr.
Am Sonntag (8.00 Uhr MEZ) folgt das Hauptrennen. Die FIA wird zuschauen, wie ihre Regelreform zur Farce wird. Die Fans werden zuschauen, wie ihre Idole zu Pixeln werden. Und Verstappen? Der wird seine Switch wieder einschalten. Dort weiß er wenigstens, dass der Boost nicht von der Gegendemo abhängt.
Die Formel 1 hat sich selbst entlarvt. Die schnellste Rennserie der Welt ist zum Game-Boy-Modus heruntergestuft. Die Königsklasse trägt jetzt eine Krone aus Plastik.
