Verstappen lacht: „mehr hätten wir uns nicht wünschen können“

Melbourne. 09:47 Ortszeit, 30 Grad im Schatten, und die Boxengasse brodelt schon vor dem ersten Freitagstraining wie am Rennsonntag. Max Verstappen tritt ans Mikro, zieht die Kappe nach hinten und lacht – nicht dieses obligatorische Medienlächeln, sondern ein ehrliches, breites Grinsen. „Wir haben unglaublich viele Kilometer abgespult, die Daten stimmen, die Mechaniker sind heilfroh. Mehr hätten wir uns nicht wünschen können.“ Ein Satz, der so selbstbewusst daherkommt, dass selbst die australischen TV-Reporter kurz schlucken.

Mercedes wirft den joker: antonelli statt hamilton

Die große Frage des Winters lautet: Wer füllt das Vakuum, das sieben Jahre lang Lewis Hamilton beherrschte? Die Antwort lieferte Teamchef Toto Wolff schon vor dem ersten Training: Kimi Antonelli. Der 18-Jährige aus Bologna saß in der Garage neben George Russell, der sich demonstrativ lässig gibt. „Ich habe keine Angst vor dem Jungen. Er muss erstmal beweisen, dass er 300 km/h verkraftet, wenn jemand neben ihm das DRS aufmacht.“ Der Satz klingt locker, aber er schwingt. Mercedes spielt Poker mit dem eigenen Nachwuchs.

Lando Norris prescht ebenfalls nach vorne. McLaren hat den Winter genutzt, um 14 Kilogramm aus dem Chassis zu schneiden. „Das Auto fühlt sich an, als würde es auf Schienen liegen“, sagt der Brite und tippt sich gegen die Schläfe. „Wenn dir hier zwischen den Armco barriers die Konzentration wegbricht, bist du im Gravel.“ Die neue Technische Direktion um Rob Marshall scheint zu funktionieren – zumindest auf dem Papier.

Die stimmung kocht – und die zeichen stehen auf krieg

Die stimmung kocht – und die zeichen stehen auf krieg

Red Bull lässt in der Box zusätzliche Monitore aufstellen, damit die Ingenieure live die Long-Run-Daten der Konkurrenz tracken können. Verstappen beobachtet, winkt ab. „Wir schauen uns an, wer die Reifen spart und wer sie zerfrisst. Mehr Interesse habe ich nicht.“ Klingt nach Demut, ist aber Psychospiel. Der Niederländer weiß, dass Mercedes und McLaren in den Simulationsrunden innerhalb von zwei Zehntel kreuzten.

Die Trophäe für den Auftakt steht bereits neben der Strecke – und sie ist größer als je zuvor. 5,4 Kilogramm Bronze, poliert bis zur Spiegelung. Wer sie am Sonntag mit nach Hause nimmt, darf sich „Richtungsweiser“ nennen. Denn mit den neuen Regeln 2026 wird dieser Melbourne-Sieg mehr wiegen als je zuvor. Die Ingenieure sprechen von einer halben Sekunde Vorsprung, den man mit einem Sieg hier schon mit in die Entwicklung nehmen kann.

Um 12:00 Ortszeit heben die Ampeln das erste Mal. Dann zeigt sich, wer die Winterworte mit Daten untermauert – und wer nur heiße Luft geliefert hat. Christian Horner blickt kurz auf die Uhr, grinst und verschwindet in der Garage. Die Saison beginnt nicht mit dem Startlicht, sondern mit diesem Moment des Schweigens vor dem Sturm. Melbourne spürt’s – und die Fans sowieso.