Schnee wirft paris–nizza aus der bahn: königsetappe muss neu gezeichnet werden

Schon wieder verweigert der Winter die Bühne. Die geplante Zielankunft der Paris–Nizza-Königsetappe auf 1.600 m in Auron ist zum dritten Mal in Serie hinfällig – diesmal reicht bereits die Ankündigung von Minusgraden und Neuschnee, um Streckenchef Thierry Gouvenou in den Krisenmodus zu versetzen.

Die 138,7 km von Nizza aus, die eigentlich heute über die 7,3 km lange Schlussrampe mit 7,2 % Steigung führen sollten, werden verkürzt und verlegt. „Wir verhandeln mit der Zentral- und der Regionalregierung, um einen Plan B zu landen – Absage keine Option“, sagte Gouvenou gegenüber Sporza. Konkret: eine Ziellinie in geringerer Höhe, möglicherweise schon auf 800 m, damit das Rennen nicht zum Eisbrecher wird.

Die angst vor einem vingegaard-freisprint

Für den Gelbtrikot-Jonas Vingegaard ist das ein Schlag ins Wasser. Der Dane hatte sich auf die letzte 20-km-Solo-Attacke in Auron vorbereitet, wo ihn die Luft dünner, die Beine aber leichter werden. Nun droht ein reduzierter Berg, der seine Vorteile verwässert – und das Feld enger zusammenrücken lässt.

Die Organisatoren schwanken zwischen Sicherheitsbedenken und Imageverlust. Eine weitere Streichung der berühmten „Race to the Sun“ wäre ein Eigentor, nachdem 2024 und 2025 schon die höchsten Anstiege ausfielen. Die Lösung: Etappenstart in Sospel, Ziel in Valberg oder Guillaumes – beide Orte liegen rund 400 m tiefer, haben aber noch genug Steigung, um Spektakel zu garantieren.

Die wetterfalle folgt einem muster

Die wetterfalle folgt einem muster

Der französische Frühling wird zusehends zur Lotterie. Klimadaten des Météo-France zeigen, dass März-Temperaturen in den Alpes-Maritimes seit 2010 durchschnittlich 1,4 °C gesunken sind – paradox, aber erklärbar durch verschobene Jet-Streams, die arktische Luftmassen bis an die Côte d’Azur transportieren. Für Radsportveranstalter bedeutet das: mehr Flexibilität, höhere Kosten, kürzere Planungshorizonte.

Die Teams reagieren gelassen. „Wir haben Ersatz-Kettenblätter und zusätzliche Thermo-Westen im Truck, für uns ändert sich nur die Taktik“, sagt Maximilian Steinhauser, dessen Team Bahrain Victorious nach dem Sturz-Drama um Juan Ayuso ohnehin auf der Hut ist. Die Frage ist nur: Wer traut sich bei plus fünf Grad und Nieselregen noch, 50 km vor dem Ziel anzugreifen?

Entscheidung fällt in der Nacht. Gouvenou will um 8 Uhr morgens die finale Route freigeben – samt neuer Höhenprofile und provisorischer Zeitnahme. Wer dann das Gelbe Trikot verteidigt, muss nicht nur die Beine, sondern auch das Thermometer im Blick behalten.