San marino: mehr autos als einwohner – ein mobilitäts-paradoxon!

Ein Blick auf die kleine Republik San Marino offenbart ein überraschendes Bild: Hier gibt es mehr Autos als Menschen. Eine Situation, die in anderen europäischen Ländern kaum vorstellbar ist und Fragen nach den Gründen für dieses ungewöhnliche Verhältnis aufwirft.

Die zahlen sprechen eine deutliche sprache

Die Daten für 2024 sind beeindruckend: In San Marino leben 35.431 Einwohner, während 34.731 Fahrzeuge auf den Straßen unterwegs sind. Berücksichtigt man auch die Motorräder, steigt die Zahl der Fahrzeuge auf 1.062 pro 1.000 Einwohner. Das bedeutet, im Schnitt gibt es mehr als ein Fahrzeug pro Person. Diese hohe Motorisierung ist nicht neu, obwohl sie in den letzten Jahren leicht gesunken ist. 2008 lag der Wert noch bei über 1.100 Autos pro 1.000 Einwohner – ein Wert, der damals für Aufsehen sorgte.

Warum san marino anders tickt

Warum san marino anders tickt

Die geografischen Gegebenheiten spielen eine entscheidende Rolle. San Marino ist geprägt von steilen Anstiegen und Abfahrten, insbesondere entlang der Autobahn, die zum Monte Titano führt. Das macht das Gehen oder Radfahren zu einer Herausforderung. Die junge Generation sehnt sich daher früh nach dem Führerschein, um unabhängig zu sein, und die Familienhäuser füllen sich schnell mit zusätzlichen Fahrzeugen. Das öffentliche Verkehrsnetz ist zwar vorhanden, aber aufgrund der begrenzten Fläche und der schwierigen Topografie nicht ausreichend ausgebaut, sodass viele auf das Auto angewiesen sind – auch für Ausflüge in die nahegelegene Küstenstadt Rimini.

Italien im europäischen vergleich: ein spitzenreiter

Italien im europäischen vergleich: ein spitzenreiter

San Marino ist jedoch nicht allein. Auch Italien weist eine beachtliche Motorisierungsrate auf: 701 Fahrzeuge pro 1.000 Einwohner im Jahr 2024. Das ist der höchste Wert innerhalb der Europäischen Union. Dieser Wert ist im Vergleich zum Vorjahr um 1,0 % gestiegen, wobei sich diese Entwicklung vor allem in den Städten Süd- und Mittelitaliens konzentriert, wo das Verhältnis von Autos zu Einwohnern bis zu 856 pro 1.000 Einwohner in Frosinone erreicht. Der Vergleich mit anderen europäischen Ländern zeigt deutliche Unterschiede: In Deutschland liegt der Wert bei 590, in Frankreich bei 579 und in Spanien bei 544 Fahrzeugen pro 1.000 Einwohner.

Die Diskrepanz zwischen der Motorisierungsrate und dem Angebot an öffentlichen Verkehrsmitteln ist auffällig. Wo das öffentliche Verkehrsnetz spärlich ist, steigt die Abhängigkeit vom eigenen Auto. Die jüngsten Bemühungen, den öffentlichen Nahverkehr in San Marino zu fördern, haben bisher nur begrenzte Auswirkungen.

Die hohe Motorisierung in San Marino und Italien verdeutlicht, dass die individuelle Mobilität weiterhin eine zentrale Rolle spielt – auch wenn die Diskussion um nachhaltige Verkehrslösungen immer dringlicher wird. Die Frage ist, ob die kleinen Staaten Europas ihren eigenen Weg finden können, um Mobilität und Umweltverträglichkeit in Einklang zu bringen.