Russell schnappt sich sprint-pole in china – und verrät, warum mercedes plötzlich wieder fliegt

George Russell schlägt zurück. Mit einer Runde, die ihm selbst die Sprache verschlagen hatte, riss der Brite in der Sprint-Quali von Shanghai die Poleposition an sich – und schickt damit die Mercedes-Engineering-Chefs nach Melbourne zurück in die Schule.

Russell packt aus: „wir haben nur an starts gearbeitet“

Russell packt aus: „wir haben nur an starts gearbeitet“

„In Melbourne sind wir wie Beta-Versionen gestartet“, sagt Russell mit einem Grinsen, das zwischen Genugtuung und purem Adrenalin schwankt. „Seitdem haben wir nichts anderes getan, als jeden einzelnen Start zu zerlegen, bis auf Millisekunden.“ Der Erfolg: 0,2 Sekunden Vorsprung auf Max Verstappen, 0,4 auf Lando Norris. Die Zahlen wirken klein, sind im F1-Kosmos aber ein Schlachtruf.

Die Strecke selbst habe ihm sofort zugesagt. „Shanghai ist ein Highspeed-Fluss, keine Stop-and-Go-Falle wie Albert Park“, erklärt der 26-Jährige. „Die Kurven 1 bis 4 fühlen sich an, als würde man auf einem 320 km/h schnellen Kreisel surfen.“ Das Fahrwerk, das in Australien noch wie auf Eiern balancierte, liege nun „wie ein Brett auf Schienen“, sagt er und tippt dabei demonstrativ auf die Carbon-Seitenwand seines Cockpits.

Hinten in der Garage hatten die Mechaniker sichtlich aufgeatmet. Teamchef Toto Wolff schmunzelt, aber seine Augen sind auf Distanz trainiert: „Ein Sprint ist ein Sprint, nicht ein Grand Prix. Die 100 Kilometer morgen sind ein Kurzfilm, Sonntag wird der Drei-Stunden-Krimi.“

Die Rechnung ist schnell gemacht: Wer heute beim Sprint startet, muss morgen das Setup für den Langlauf nicht mehr anfassen. Mercedes hat also quasi einen kostenlosen Testtag ergattert – und Russell ist der Versuchskaninchen-Coach. „Wir wissen jetzt, wie sich der W13-B Nachfolger bei 38 Grad Asphalt verhält, wie der Reifen nach dem vierten Fahrwechsel abschmiert, wie viel Abtrieb wir morgen trauen können.“ Daten, die Red Bull und Ferrari erst morgen sammeln dürfen.

Die Fackel der Revanche zündet also schon heute. 19.99 Euro im Monat für einen Streaming-Pass? Ein Schnäppchen, wenn man bedenkt, dass Mercedes nach 412 Tagen Durststrecke endlich wieder ein Schluck Champagner ergattern will. Und Russell? Der trinkt lieber direkt aus der Flasche – wenn er morgen um 11:00 Uhr Ortszeit als Erster durch die Schikane rauscht.