Russell entführt australien-show und lässt mercedes wieder strahlen

George Russell zündet den Turbo-Button und lächelt wie ein Kind auf Kirmes. Die Silberpfeile sind zurück – und wie. Beim wildsten Saisonauftakt seit Jahren fährt der Brite in Melbourne den ersten Doppelsieg für Mercedes seit 16 Monuten ein, während die Konkurrenz mit dem neuen Elektro-Druck-Pedal jongliert.

Der overtake mode verändert das spiel

Statt DRS gibt es jetzt „Boost-to-pass“. Wer einen Sekunden-Fresser im Nacken hat, darf für fünf Sekunden 120 kW extra abrufen. Das Ergebnis: ein Sekunden-Stakkato, bei dem die Führung vier Mal in zwei Runden wechselt. Russell testet die Funktion als Erster, zieht an Leclerc vorbei, muss sich dann selbst geschlagen geben, weil der Monegasse sofort kontert. „Mario Kart Deluxe“, ruft ein Ingenieur am Headset.

Die Rechnung geht auf, weil Mercedes das virtuelle Safety Car kalkuliert nutzt. Früher Stopp, frische Reifen, Ruhe vor dem Sturm. Ferrari schlägt zu spät ein, Hamilton und Leclerc rutschen hinter die Silberpfeile. Die Strategie-Fraktion in Maranello funkte zu spät, zu zögerlich. „Zumindest einer von uns hätte reinkommen sollen“, hadert Hamilton.

Verstappen klettert vom letzten platz bis vorne

Verstappen klettert vom letzten platz bis vorne

Max Verstappen startet von Position 20, weil sein Red Bull im Qualifying die Wand küsst. Was folgt, ist eine Aufholjagd mit bissigem Telefonat. „Das Auto blockiert verdammt noch mal“, knallt er noch am Samstag über die Rundfunkwelle. Am Sonntag schafft er Platz fünf – mehr ging nicht, weil die Batterie nach 45 Runden leergequält ist. Weltmeister Lando Norris wird nur Vierter, McLaren verliert die weiße Weste.

Die große Pechstory kreist um Oscar Piastri. Der australische Hoffnungsträger rutscht schon auf der Formation Lap in die Wand, kalte Reifen, heiße Tränen. Tausende Fans verstummen, die Wellen des Jubels brechen ab. „Mehr Leistung als erwartet“, sagt er später, als wäre das ein Trost.

Audi startet mit pannen und punkt

Für Audi wird der erste Grand Prix zur Achterbahnfahrt. Nico Hülkenberg sitzt nicht mal im Auto, Telemetrie-Ausfall auf dem Weg zum Grid. Stattdessen rettet Rookie Gabriel Bortoleto mit Rang neun die ersten WM-Zähler. Kleines Plus, großes Fragezeichen.

Die Silberpfeile dagegen saugen sich an der Spitze fest und erinnern an die Tage, als Mercedes die Liga dominierte. Russell spricht von „Wiedergeburt“, Antonelli von „Traumstart“. Teamchef Toto Wolff wischt sich eine Träne weg, dann kommt die Ansage: „Wir haben die Hausaufgaben gemacht, jetzt wird geliefert.“

Die Formel 1 hat eine neue Spielregel, und die lautet: Batterie-Ladung ist König. Wer sie klug dosiert, gewinnt. Wer sie vergeudet, verliert. Die Saison ist zwei Stunden alt – und schon elektrisierend.