Renault 4 plein sud entfacht 60er-freigeist neu – jetzt als elektro-cabrio
Barcelona – Die Straße windet sich zwischen pinieumbestandenen Hügeln, die Mittagssonne knallt, und über mir spannt sich der 92×80 cm große Stoffhimmel der neuen Renault 4 Plein Sud in gerade einmal zehn Sekunden auf. Kein Geräusch. Nur Wind. Damit kehrt nicht einfach ein Klassiker zurück, sondern ein Gefühl, das wir seit den späten Sechzigern vermisst hatten: unbeschwert, lautlos, elektrisch.
Das targa-flair kommt ohne nostalgie-retro aus
Statt chromblitzender Replik tritt die Plein Süd kühl und modern auf. Der Softtop-Mechanismus verzichtet auf sperrige Dachreling, die Antenne versteckt sich im Heckfenster. Das spart 19 Kilogramm gegenüber der geschlossenen Variante – ein Wert, der sich in nur 1,8 Prozent Reichweitenverlust niederschlägt, also lächerliche sieben Kilometer. Dafür gewinnt die Silhouette eine fast mondäne Eleganz.
Der Stoff löst sich in drei Segmenten, faltet sich hinter den Rücksitzen und erlaubt Öffnen per Sprachbefehl bis 90 km/h. Kein Theater, kein Zögern – einfach „Ouvre le toit“ und die Stadt schrumpft zum Panorama. Die Serien-Scheibenisolierung plus automatischer Winddeflektor halten das Geräuschniveau auch bei 130 km/h in Grenzen, die man 1972 nur aus dem Fahrtenbuch kannte.

Technik-paket für google-generation und camping-kinder
Unter der Retro-Karosserie steckt Hardcore-2026-Technik. 110 kW/150 PS und 245 Nm katapultieren den Kompakten in 8,2 Sekunden auf 100 km/h. Die 52-kWh-Batterie reicht für 400 km WLTP, an 100-kW-Gleichstromsäulen schlankt sich der Akku von 15 auf 80 Prozent in exakt 30 Minuten. Bidirektionales 11-kW-Wechselstrom-Laden inklusive V2L (bis 3,7 kW für den Strandkorb-Blender) und Plug&Charge ohne App-Wirrwarr – einfach anstecken, abrechnen, losfahren.
Zu Hause spricht mich der Avatar Reno via ChatGPT-4.0-mini an, während Google Gemini im Hintergrund Routen und Spotify-Playlisten vorschlägt. Drei Jahre lang gibt es 2 GB Datenvolumen pro Monat gratis – ideal, wenn der eigene Tarif an der Costa Brava bereits leer ist.
Sicherheitskorsett mit 28 adas-assistenten
Ein Blick nach links und ich erkenne die winzige Infrarot-Kamera am A-Säulenrahmen. Sie registriert Mikroschlaf, Trinkgelage-Müdigkeit, Handy-Starren – und greift im Zweifel über den Not-Stop-Assistenten ein. Dahinter stecken 28 Assistenzsysteme, darunter Notbremsung nach Unfall, prädiktive Segelmodi, die per Navi-Karte den Fuß vom Gas nehmen lassen, und der Safety-Coach, der mir Tipps gibt, wie ich meinen Stromverbrauch drücken kann. Manchmal fühlt sich das Auto klüger an als der Fahrer.

Fahreindruck: rollendes cabrio-tablet mit soul
Auf den Serpentinen von Sitges zeigt die Plein Süd ihr zweites Gesicht. Die 1,4 Tonnen wirken dank tief liegender Batterie erstaunlich stabil, der Multilink-Hinterachse entgeht kein Schlagloch. Extended-Grip mit Allwetterreifen und Snow-/All-Terrain-Modi hilft, wenn der Kiesweg zum Strand wird. Die One-Pedal-Funktion erlaubt fast vollständiges Fahren nur mit dem rechten Fuß – ein Effizienz-Genuss.
Was bleibt, ist ein Cabrio, das nicht nach alten Zeiten riecht, sondern nach Meer und stromlinienförmiger Zukunft. Einziger Wermutstropfen: Bei Höchstgeschwindigkeit flirrt ein leiser Luftzug von den Außenspiegeln – mehr Styling als Sturm.

Marktstart und preis: sommer 2026, ab 36.790 euro
Ab Juni 2026 rollt die Plein Süd in Italien zu den Händlern. Der Einstieg kostet 36.790 Euro in der Techno-Ausstattung, die bereits Alcantara-Sitze und das 10-Zoll-OpenR-Link-Display beinhaltet. Wer Retro-Folierung und Surfboard-Dachgepäckträger will, zahlt Aufpreis. Fakt ist: Für weniger als 40.000 Euro gibt es kein anderes elektrisches Cabrio, das 400 km Reichweite, Vintage-Charme und Google-KI in einem Paket vereint. Die Freiheit der Sechziger, nur leiser – und mit kostenloser Ladestation am Strand.
