Plug-in-sportler ballern mit 1000 ps – und wiegen zwei tonnen

Ein Handschlag zwischen Ökonomie und Ekstase: In Mailand rollen gerade Sportwagen vom Band, die dank Stecker-Hybridtechnik locker 1000 PS leisten – und trotzdem die CO2-Flotte ihrer Hersteller retten. Die Kehrseite: Ein Audi RS 5 bringt 2,3 Tonnen auf die Waage, eine BMW M5 sogar 2,4. Das sind 400 Kilo mehr als noch vor einer Generation. Die Reifen kreischen schon beim Anblick.

Warum ferrari, lamborghini & co plötzlich kabel anschließen

Die EU droht 2035 mit dem Verkaufsstopp rein verbrennender Neuwagen. Wer heute eine 4,0-Liter-V8-Limousine bauen will, muss sie elektrisch entwässern, sonst wird die Marke zur Kasse gebeten. Plug-in ist da der schnellste Weg, um Super-Profitmargen zu retten: Ein Franzose zahlt für eine M5 wegen der niedrigen offiziellen Emissionen weniger Steuer als für den kleineren M3. Die Rechnung geht auf – zumindest auf dem Papier.

Der Trick liegt im Allradschema: Ein E-Motor versorgt die Vorderachse, ein V8 die Hinterachse. Keine Welle mehr, dafür 50 km rein elektrisch zur Arbeit und 3 Sekunden auf Landstraßentempo nach Feierabend. Porsche hat es mit dem 918 vorgemacht, McLaren und Aston Martin zogen nach. Ferrari baut gerade den 849 Testarossa: 1050 PS, zwei Turbolader so groß wie Weinflaschen. Die Karosserie wirkt wie ein Muskelpaket, das gerade den Anzug zerreißt.

Die stunde der stahlwerke

Die stunde der stahlwerke

Damit das Ganze nicht im ersten Kurveneinsatz kollabiert, schalten Ingenieure Carbon-Käfige, 48-Volt-Aktivrollstabilisatoren und Luftfederwerke dazwischen. Das Fahrwerk versteckt das Gewicht, es kann es aber nicht verbrennen. Reifenhersteller entwickeln extra Mischungen, die 300 km/h aushalten und trotzdem 2,4 Tonnen tragen. Die ersten Tests zeigen: Nach fünf Runden auf der Nordschleife sind die Hinterreifen der M5 runter bis auf das Karkasse. Die Stoppuhr lügt nicht, aber der Geldbeutel des Kunden schon.

Die Frage lautet nicht mehr, ob Hybrid sportlich sein kann – das beweist schon der Lamborghini Revuelto mit 1015 PS. Die Frage ist, wie viel Bereifung man sich leisten will. Ein Satz Sportcup-Reifen für den Koenigsegg Gemera kostet 4 800 Euro und hält 6 000 Kilometer, wenn man freundlich ist. Dafür schafft der Schwede 0–300 in 11 Sekunden. Das ist keine Zukunftsmusik, das ist schon die Gegenwart – nur mit deutlich mehr Gewicht auf der Hinterachse.