Nissan micra: elektropionier mit retro-charme – lohnt sich der wechsel?

Brescia – Die Zeiten ändern sich, und das gilt auch für die Nissan Micra. Nach Leaf und Ariya wagt Nissan den Sprung in die Elektromobilität auch beim Kleinwagen – mit überraschenden Konsequenzen. Der Name ist bekannt, die Regeln neu: Die Micra elektrisiert und stellt sich einem neuen Wettbewerb. Doch behält sie dabei ihren Reiz?

Ein blick zurück, ein sprung nach vorn

Drei Jahrzehnte lang war die Micra ein fester Bestandteil des europäischen Straßenbildes. Nun, mit der neuen Generation, verschwindet der Verbrennungsmotor komplett. Ein mutiger Schritt, der die Micra in ein neues Segment katapultiert – jene der elektrischen Kleinwagen, in dem nun ID. Polo, e208, Mini Cooper E und eC3 die Messlatte halten. Und wie behauptet sich die Japanerin zwischen diesen europäischen Schwergewichten?

Die Abmessungen sind leicht reduziert, knapp unterhalb der vier Meter-Marke, was der Micra durchaus zugutekommt. Doch entscheidend ist die Technik: Eine Zusammenarbeit mit Renault ermöglicht den Einsatz der bewährten Rgev Small Plattform, die für Effizienz und Dynamik steht. Die beiden Batterievarianten, 40 und 52 kWh, entstammen ebenfalls dem Renault-Regal. Ein cleverer Schachzug, denn Nissan kann sich so auf seine Stärken konzentrieren: das Design und das Fahrgefühl.

Der Retro-Look trifft auf Moderne: Die Micra schöpft Inspiration aus ihrer erfolgreichen dritten Generation der frühen 2000er Jahre. Die runden Scheinwerfer, modern interpretiert, sind eine Hommage an die Vergangenheit. Im Kontrast dazu steht ein fließendes, entschlossenes Design, das der Micra von ihren französischen Wettbewerbern abhebt. Ein subtiler, aber effektiver Unterschied.

Im Innenraum offenbart sich erneut die partnerschaftliche Zusammenarbeit mit Renault. Das Infotainment-System mit 10,1-Zoll-Display ist intuitiv bedienbar, die physischen Bedienelemente sind eine willkommene Abwechslung zur Touchscreen-Flut. Ein besonderes Highlight ist der Tasten zur Aktivierung der persönlichen Fahrerprofile – ein Feature, das im Alltag sehr nützlich ist.

Auch wenn der Platz auf der Rückbank nicht zum Luxus-Reisen einlädt, bietet die Micra weiterhin Platz für vier Personen. Der Kofferraum fasst 324 Liter – ausreichend für den Alltag.

Dynamik und effizienz im einklang

Dynamik und effizienz im einklang

Die Micra überzeugt nicht nur optisch, sondern auch fahrtechnisch. Der Elektromotor sorgt für eine souveräne Beschleunigung, die überraschend agil wirkt. Der Wagen liegt satt in den Kurven, das Fahrwerk filtert Unebenheiten angenehm ab. Besonders hervorzuheben ist die Möglichkeit der One-Pedal-Fahrt, die das Fahren in der Stadt zum Kinderspiel macht.

Der Verbrauch ist beeindruckend: Mit dem größten Akku sind 416 Kilometer Reichweite möglich – ein respektabler Wert, der im Alltag für ausreichend Flexibilität sorgt. Die Ladezeiten sind dank 100 kW Schnellladeleistung ebenfalls akzeptabel.

Doch es gibt auch kleine Wermutstropfen. Die Platzverhältnisse auf den hinteren Plätzen könnten etwas großzügiger sein, und die Anordnung der Bedienelemente erfordert kurzzeitig Eingewöhnung. Aber das sind Kleinigkeiten, die den Gesamteindruck kaum trüben.

Die Nissan Micra beweist: Elektromobilität und Kleinwagen müssen keine Gegensätze sein. Mit ihrem durchdachten Konzept, dem attraktiven Design und der überzeugenden Fahrweise setzt die Micra ein klares Zeichen – und ist bereit für die elektrische Zukunft.

Fazit: Die Micra ist mehr als nur ein Elektro-Kleinwagen. Sie ist ein Statement, ein Zeichen der Neuausrichtung und ein Beweis dafür, dass auch etablierte Modelle erfolgreich in die Elektromobilität übergehen können. Wer einen zuverlässigen, effizienten und stilvollen Stadtflitzer sucht, sollte die Micra unbedingt in die engere Wahl ziehen.