Mittwochs-offen: gute neuigkeiten
Die Formel 1 verliert
im April nicht nur Sand und Meer, sondern auch Hunderte Millionen Dollar. Bahrain und Dschidda fallen aus – und mit ihnen die reichsten Promoter des Fahrplans. Liberty Media spürt den Schlag direkt in der Bilanz.Der preis für stille in der wüste
Die Organisatoren in Sakhir und am Roten Meer zahlen pro Rennwochenende 55 Millionen US-Dollar an die Zentrale in Denver. Kein anderer Veranstalter kommt auch nur in die Nähe dieser Summe. Wegfallende Startgebühren, TV-Prämien und Sponsor-Exponierungen lassen die Liberty-Aktie seit Tagen bluten. Analysten rechnen mit einem Minus von 180 Millionen Dollar allein durch die Doppelabsage.
Doch die Rechnung hat einen Haken. Liberty hat sich vor drei Jahren für genau diesen Fall versichert. Ein komplexes Paket aus Kriegs- und Sabotage-Rückdeckern springt nun an. Internen Papieren zufolge sind 80 Prozent des entgangenen Geldes bereits abgedeckt. Die restlichen 20 Prozent holt CEO Greg Maffei durch einen Trick: Die ursprünglich für 2025 geplante Runde in Katar wird vorgezogen und auf 24 Rennen hochgestuft. Ein Ersatzterminal in Abu Dhabi steht bereits in den Startlöchern.

Warum die teams trotzdem schimpfen
Die Crews fürchten Mehrarbeit ohne Mehrlohn. Laut Reiseplan droht ein Dreifach-Header innerhalb von fünf Wochen: Singapur, Katar, Abu Dhabi. Die Logistik-Chefs von Mercedes und Red Bull rechnen mit 120 zusätzlichen Frachtcontainern und 1.800 Überstunden pro Team. Die Gewerkschaft der Mechaniker droht mit Streik, sollte kein Ausgleich fließen.
Die FIA schielt indes auf die TV-Konditionen. Sky UK und ESPN America haben Klauseln, die bei weniger als 20 Rennen pro Saison Rabatte von 15 Prozent freisetzen. Liberty muss nun um Vertragsanpassungen betteln – und dabei gleichzeitig versprechen, dass die 24 Rennen-Marke 2025 wieder erreicht wird. Ein Spagat, der die Verhandlungen in die Länge zieht.

Die geheimklausel, die niemand aufdeckt
Was kaum jemand weiß: Im Promotervertrag von Jeddah steht eine „Force majeure plus“-Bestimmung. Sollte das Königreich das Rennen aus sicherheitspolitischen Gründen absagen, muss es trotzdem 75 Prozent der Gebühr zahlen – allerdings über einen Zeitraum von fünf Jahren gestreckt. Die Saudis haben die Rechnung bereits akzeptiert. Die erste Rate in Höhe von 30 Millionen Dollar ist auf dem Weg nach Denver.
Die Formel 1 also blutet, aber nur kurz. Liberty Media hat die Muskeln, um sich selbst zu heilen. Die Frage ist nicht, ob die Serie auf 24 Rennen zurückkehrt, sondern wann sie wieder über 20 hinausschießt. Die nächste Expansion steht schon in den Startlöchern: ein Stadtrennen in Kopenhagen, ein Nachtevent in Bangkok. Die Cashmaschine läuft weiter – nur eben ohne das Brummen von Motoren in der Wüste.
