Milan-stars fliegen 100.000 km: allegri zittert vor napoli-k.o.

Sechs Rossoneri kreuzten in dieser Länderspiel-Pause den Atlantik – und sammelten Luftmeilen, als wollten sie die Erde zweimal umrunden. Luka Modric allein schafft fast 25.000 km, Saelemaekers und De Winter stopfen 15.900 km in vier Tage. Das Finale der Irrfahrt: am 1. April landen sie in Mailand, nur 72 Stunden später rollt in Neapel der Ball zum Scudetto-Endspiel.

Der preis der rekordreise

Die Zahlen sind ein Sprint gegen die Biologie. 100.000 Kilometer für 13 Milan-Spieler, sechs davon in den USA, wo Freundschaftsspiele als Werbetour für den kommenden Weltklub-Klatsch dienen. Allegri rechnet: Jetlag, Mikroverletzungen, fehlende Regeneration. Oktober hat er noch in den Knochen – damals kehrten Saelemaekers, Rabiot, Pulisic und andere mit Zerrungen zurück. Jetzt droht das Déjà-vu, nur heißer und später in der Saison.

Die Gefahr nennt sich Mondial-Test. Frankreich spielt in Boston und Washington, Belgien pendelt zwischen Atlanta und Chicago, Kroatien landet in Orlando. Pulisic ist daheim in Atlanta – und trotzdem reist, weil die US-Federation TV-Termine setzt, nicht Sportler. Die Clubs zahlen die Rechnung: englische Woche, 35 °C in Neapel, Tempo gegen den Tabellenführer.

Drei tage, um scudetto-leben oder -tod zu entscheiden

Drei tage, um scudetto-leben oder -tod zu entscheiden

Die gute Nachricht: Rückflugpläne stimmen. Letzte Spiele der Belgier, Modric und Pulisic: Nacht zum 1. April. Freitagvormittag können sie in Milanello sein – Samstag, Sonntag, Montag: Aufbau, Video, Taktik, Match. Drei Tage sind ein Geschenk, wenn man bedenkt, dass Trainerstab und Analytics-Abteilung normalerweise mit 48 Stunden planen.

Doch Drei-Tage-Rhythmus ist kein Allheilmittel. Die Physiologen des Klubs haben Daten: Elf der 13 Akteure werden in beiden Länderspielen 90 Minuten machen. Modric, 38, wird gegen Brasilien spielen, selbst wenn er dafür auf dem Mond stünde. Saelemaekers flog schon dreimal in sieben Tagen über neun Zeitzonen. Das zerreißt Zellstrukturen, nicht nur Reiseetiketten.

Allegri wird also rotieren – muss er. Tomori kehrt aus England zurück, Pavlovic und Odogu sind Junioren, die gerade erst Profiluft schnuppern. Fofana bleibt in Mailand, Leao reist zur Reha auf Mallorca. Die taktische Lösung lautet: 4-2-3-1 mit Pulisic hinter Giroud, links Reine-Adélaïde, rechts Saelemaekers nur, wenn die GPS-Daten seiner Oberschenkel grünes Licht geben.

Die Kalkulation ist klar: Gewinnt Milan in Neapel, liegt es zwei Spieltage vor Schluss drei Punkte vor den Azzurri. Verliert es, ist der Titel weg, die Saison plötzlich Pokal statt Parade. Und alle Fragen kreisen um die 100.000-Kilometer-Frage: Wer hat noch Beine, wer nur noch Willen?

Die Antwort kommt Montagabend im Maradona-Stadion. Dann wird sich zeigen, ob ein Jet die Scudetto-Träume abgeholt hat – oder doch nur ein Airbus voller müder Knochen.