Mercedes gle: v8 und riesiger display-streifen, aber der diesel-plug-in verschwindet

Mercedes schickt den Geländewagen, der einst als ML das SUV-Zeitalter begrüßte, mit strahlendem Sterngrill und 537 PS starkem V8 ins Rennen – und streicht dabei die beliebte Diesel-Steckdose. Die Entscheidung trifft vor allem Langstreckenfahrer, die bislang auf 120 km elektrische Reichweite vertrauten.

Neue maske, alter zwist: die gle-familie rüstet auf

Die Fratsche der frisch operierten Gle und Gle Coupé wirkt wie ein Nachtschicht-Update für ein Erfolgsmodell, das nie wirklich schlief. Eine durchgehende Leuchtleiste zieht sich über die Breite der Front, darin eingebettet: ein Sternchen-Muster, das sich im Nachtmodus aufdringt wie ein Markenzeichen in Neon. Die Designer behalten die Proportionen bei – 4,94 Meter Länge, fast zwei Meter Breite –, doch unter der Karosserie herrscht Aufruhr.

Wer jetzt bestellt, bekommt keinen Vierzylinder mehr. Der Einstieg beginnt beim 350 d mit 286 PS Reihensechser und einem 48-Volt-Booster, der im Alltag den Verbrauch auf 7,4 Liter drückt. Die Spitze markiert der Gle 580 mit dem bekannten 4,0-Liter-V8, der hier mit 537 PS und 750 Nm Drehmoment zur Sache geht. Dazwischen: der 450 d mit 367 PS und ein einziger verbliebener Plug-in, der 450 e, der seine 100 km elektrische Reichweite nur noch mit Benziner- statt Diesel-Hilfe erreicht.

Die Entscheidung gegen den Diesel-Plug-in ist kein Zufall. Abgasnormen, Kosten, Lagerhaltung – die Ingenieure sparen sich eine komplette Antriebsvariante, um Platz für größere Batterien und teurere Kat-Systeme zu machen. Kunden, die bisher 1,5 Liter Verbrauch auf 150 km Schnellstraße meldeten, müssen nun mit 3,2 Liter Benziner vorliebnehmen.

Display-wand und cloud-federung: so fühlt sich zukunft an

Display-wand und cloud-federung: so fühlt sich zukunft an

Im Innenraum dominiert ein durchgehender Bildschirmstreifen mit drei 12,3-Zoll-Monitoren. Serienmäßig. Kein Aufpreis, keine Option, kein Wenn und Aber. Dahinter sitzt das neue MBUX-System, das 40 Apps schluckt, darunter Netflix und Zoom. Eine Kamera beobachtet den Fahrer: Lächelt der zu lange in Richtung Beifahrer-Display, dimmt das System automatisch ab – ein Anti-Ablenk-Algo, der erstmals auch den Beifahrer diszipliniert.

Die Federung liest nicht nur die Straße, sie liest die Cloud. Über 20 Sensoren senden Daten an einen zentralen Server, der wiederum das Fahrwerk live anpasst. Fährt ein Gle vor dir über eine Schlagloch-Staffel, weiß dein Auto schon vor dir Bescheid und weicht aus – theoretisch. Praxis-Test folgt im Herbst auf der Nordschleife.

Die AMG 53-Varianten nutzen den Sechszylinder als Basismotor, pumpen ihn aber auf 449 PS auf. Die Plug-in-Version schafft 585 PS und 750 Nm, beschleunigt in 4,5 Sekunden auf Landstraßentempo. Die Batterie lädt mit 60 kW Gleichstrom – so viel wie ein kompakter Echten-Stromer vor zwei Jahren.

Wer sieben Sitze braucht, muss zur SUV-Variante greifen; das Coupé bleibt streng auf fünf Plätze limitiert. Der Kofferraum wächst auf bis zu 2 055 Liter – genug für zwei Rennräder inklusive Werkzeugkiste. Preise nennt Mercedes noch nicht, doch wer jetzt bestellt, bekommt laut Händlerkreisen keine Einführungsrabatte. Die ersten Fahrzeuge landen im Oktober beim Händler – pünktlich zur Saison, in der die Sternchen-Front auch im Dunkeln nicht zu übersehen ist.