Mash gt750: die china-tourer, die bmw & co. ärgern soll
Zwölftausend Euro für eine echte Reisemaschine mit 24-Liter-Tank, 75 PS, serienmäßigem Dash-Cam und elektrisch verstellbarem Windschild? Mash wirft mit der GT750 eine Granate in die Mittelklasse, die deutsche Premiumherstellern die Stirn bietet – und zwar auf Kosten des einen oder anderen Kompromisses.
Warum die gt750 mehr ist als nur ein neues modell
Bisher war Mash in Europa das Synonym für 125-cm³-Retro-Bikes aus Fernost: günstig, stylisch, aber eben Kleinkram. Die GT750 sprengt diese Schublade. 730 cm³, flüssigkeitsgekühlter Parallel-Twin, 74,8 PS bei 8 500/min – das sind Zahlen, die sie in die Liga von Yamaha Tracer 7 oder BMW F 750 GS lotsen, allerdings für umgerechnet 11 999 Euro inklusive Alu-Koffer und 12,3-Zoll-TFT.
Die Franzosen verstecken nicht, dass der Motor sowie das Fahrwerk bei Jedi Motors in China entwickelt wurden. Doch statt peinlich zu schweigen, drehen sie den Spieß um: Ein Preis-Leistungs-Verhältnis, das selbst Gebraucht-BMW-Fahrer nervös macht. Beispiel gefällig? Der 24-Liter-Tank verspricht nach Werkangabe 520 Kilometer Reichweite – das schafft selbst eine R 1250 RT nur mit Zusatztank.

Was die gt750 kann – und was nicht
Die GT750 ist keine Spar-Version, sondern eine vollwertige Tourerin. Serie sind: Keyless-Start, rutschkupplung, zwei Fahrmodi, ABS und Traktionskontrolle von Bosch, beheizbare Griffe und Sitz, LED-Licht rundum, zwei Dashcams mit 1080 p und 32 GB Speicher. Die Verarbeitung? Längst nicht mehr die Blechschieß-Ästhetik früherer Mash-Modelle. Schweißnähte am Aluminium-Rahmen sehen sauber aus, die Lackierung kommt in zweifarbiger Metallic-Optik – Grau-Gold oder komplett Schwarz.
Ein Blick auf die Details offenbart aber auch, warum das Bike so günstig bleibt. Kardanantrieb? Fehlanzeige. Die GT750 schickt ihre Kraft über eine simple Kette ans Hinterrad. Garantiert 20 000 Kilometer Haltbarkeit, mehr nicht. Auch die Achsverkleidungen sind aus Kunststoff, nicht aus Carbon. Wer jedoch 40 000 Euro für eine BMW R 1300 RT zahlt, darf sich über solche Abstriche beschweren – wer nur ein Drittel ausgibt, sollte pragmatic denken.
Die markt-chance liegt im preis, nicht im prestige
Mash liefert seit 2022 über 3 500 Maschinen jährlich in Europa aus – ein winziger Bruchteil im Vergleich zu Honda & Co. Doch die GT750 könnte die Marke aus dem Nischendaseil befreien. Drei Jahre Garantie ohne Kilometerbegrenzung, ein europäisches Ersatzteillager in Lyon und ein Händlernetz, das mittlerweile auch in Ostdeutschland vertreten ist, sollen Zweifler beruhigen.
Die Zielgruppe ist klar: Fahrer mit A2-Schein, die auf 47,5 PS gedrosselt bestellen können, sowie erfahrene Reiter, die ihre zweite Maschine suchen – fürs Wochenende an die Adria, nicht fürs Schotten-Trip. Die 275 Kilogramm sind zwar kein Leichtgewicht, doch mit 780 mm Sitzhöhe ist sie selbst für 1,65-Meter-Piloten stemmbar.
Fazit: Wer deutschen Ingenieursanspruch sucht, bleibt bei BMW. Wer aber 500 Kilometer am Stück ohne Tankstopp, Koffer voller Camping-Zeug und ein Navi, das schon eingebaut ist, für den Preis eines gebrauchten GS-Modells haben will, der sollte sich die GT750 probe fahren. Sie ist kein Prestige-Objekt, sondern ein ehrliches Angebot: Mehr Tourer fürs Geld gibt es derzeit nirgends. Und wenn die Dash-Cam mal einen wilden Überholversuch filmt, haben Sie sogar Beweise – inklusive.
