Leapmotor c10 awd: 598 ps für 37.900 euro – chinas antwort auf alles

Am Passo del Tonale, auf verschneitem Asphalt, passiert etwas Merkwürdiges: Ein chinesisches SUV, das die meisten Deutschen noch nicht einmal dem Namen nach kennen, beschleunigt in 4 Sekunden von null auf hundert – und kostet dabei weniger als ein ordentlich ausgestatteter VW Tiguan. Das ist kein Tippfehler. Das ist die Leapmotor C10 AWD.

Eine marke, die aus dem nichts kommt – und trotzdem schon da ist

Leapmotor. Für viele klingt das nach einem Startup aus einer PowerPoint-Präsentation. Dabei steckt dahinter eine handfeste Realität: Im Jahr 2025 wurden in Italien bereits 7.469 Fahrzeuge zugelassen – nach gerade einmal 274 Einheiten im Vorjahr. Das entspricht einem Wachstum von 2.625 Prozent. Die Zahl spricht für sich. Damit positioniert sich Leapmotor knapp über Porsche und Land Rover, direkt unter Seat, Lancia und Honda. Für eine Marke ohne jede Vorgeschichte auf dem europäischen Markt ist das schlicht absurd.

Was kaum jemand weiß: Ende 2023 hat Leapmotor ein Joint Venture mit Stellantis geschlossen – seit 2024 aktiv, mit wachsender technischer Verzahnung. Fahrdynamische Tests laufen bereits im Stellantis-Testzentrum Balocco. Wer also glaubt, hier kaufe man ein Fahrzeug aus dem Nichts, irrt sich gewaltig.

598 Ps, 800-volt-architektur, lfp-akku – das sind keine marketingworte

598 Ps, 800-volt-architektur, lfp-akku – das sind keine marketingworte

Die bisherige C10 war solide, aber unspektakulär: 218 PS, Hinterradantrieb, zwei Ausstattungslinien. Die neue AWD-Version dreht die Logik um. Zwei Elektromotoren, zusammen 598 PS Spitzenleistung und 720 Nm Drehmoment. Dazu eine 800-Volt-Architektur, die das Laden von 30 auf 80 Prozent in rund 22 Minuten ermöglicht – bei bis zu 180 kW Gleichstromleistung. Der 81,9-kWh-LFP-Akku verspricht laut WLTP eine Reichweite von 437 Kilometern.

Im realen Bergtest, bergauf bis auf 1.800 Meter, zeigte der Bordcomputer rund 23 kWh pro 100 Kilometer – für ein 2.191 Kilogramm schweres SUV ein durchaus akzeptabler Wert. Kein Rekord, aber auch keine Enttäuschung.

Wie sie sich fährt: komfortabel, nicht sportlich – und das mit absicht

Wie sie sich fährt: komfortabel, nicht sportlich – und das mit absicht

Die C10 AWD sucht keine Kurvendynamik. Das muss man verstehen, bevor man sich hinters Steuer setzt. Die Lenkung ist leicht, die Federung weich, das gesamte Fahrgefühl auf lange Autobahnkilometer ausgelegt. Aber dann drückt man das Gaspedal durch – und der Wagen katapultiert sich in 4 Sekunden auf Tempo 100. Nicht ruckartig, nicht nervös. Einfach brutal souverän.

Auf Schnee, dem eigentlichen Testterrain am Tonale, zeigt sich die Stärke der Allradarchitektur: Die Elektronik regelt diskret, ohne ständig ins Geschehen einzugreifen. Das Auto bleibt ruhig. Wer Kurven-Aggressivität sucht, ist falsch. Wer entspannt reisen will – mit fünf Personen, schweigender Kabine und vollem Akku – trifft hier genau das Richtige.

Das innenleben: modern, aber mit lernkurve

Das innenleben: modern, aber mit lernkurve

Statt klassischem Schlüssel gibt es eine Karte – ähnlich wie bei Tesla. Ans Außenspiegel-Gehäuse halten, Karte im Mitteltunnel ablegen, fertig. Klingt einfach. Ist es auch, sobald man es einmal begriffen hat. Weniger intuitiv: Die Warnblinkanlage sitzt oben in der Deckenleuchte, die Feststellbremse versteckt sich in der Fahrstufenwähleinheit rechts an der Lenksäule. Wer das nicht weiß, sucht.

Das zentrale Infotainment-Display verlangt mehrere Schritte für Funktionen, die man eigentlich per Knopfdruck erledigen möchte. Das digitale Cockpit hingegen überzeugt – übersichtlich, mit integrierter Navigation auf der rechten Seite. 12 Lautsprecher, vier USB-Anschlüsse, Wireless Charging, Sprachsteuerung, Panoramaglasdach, beheizte und belüftete Vordersitze, 20-Zoll-Felgen: Die Ausstattungsliste der Design-Version lässt kaum Wünsche offen.

Der preis, der alles verändert

Der preis, der alles verändert

Regulär kostet die C10 AWD in der Design-Ausstattung 43.400 Euro. Zur Markteinführung, mit Inzahlungnahme oder Verschrottungsprämie, fiel der Aktionspreis auf 37.900 Euro. Zum Vergleich: Für ähnliche Leistungswerte in einem europäischen oder amerikanischen SUV zahlt man locker das Doppelte. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist kein Zufall – es ist die Strategie.

Leapmotor produziert 60 Prozent seiner Fahrzeugkomponenten intern, mit einer vertikalen Integration, die westliche Hersteller derzeit nicht annähernd erreichen. Das drückt die Kosten – und das spürt man am Preisschild.

Wer 2025 noch glaubt, chinesische Elektroautos seien billige Kopien ohne Substanz, sollte einmal 4 Sekunden auf einer verschneiten Passstraße mit der C10 AWD verbringen. Die Überzeugungsarbeit erledigt das Auto dann selbst.