Lamborghini bremst: keine reine elektro-supercars, rekordumsatz trotzdem

Das Jahr 2025 war das erfolgreichste in der Geschichte von Automobili Lamborghini. 10.747 Autos verließen Sant’Agata Bolognese, der Umsatz stieg auf 3,2 Milliarden Euro – ein Plus von 3,3 %. Doch statt zu feiern, zieht CEO Stephan Winkelmann die Notbremse: Die Voll-Elektrik wird auf Eis gelegt. Der Kunde will sie nicht.

Der kunde kauft kein schweigen

„Wer eine Lamborghini kauft, kauft einen Traum“, sagt Winkelmann. In diesem Traum fehlt das Tuten und Stöhnen eines V12 wie der Schlag ins Gesicht. Testfahrten mit elektrischen Prototypen endeten in Kunden-Frust: zu leise, zu schwer, zu wenig Wiederverkaufswert. Die Entscheidung fiel schnell: Erst einmal keine Batterie-Only-Bullen.

Stattdessen setzt der Stier auf Plug-in-Hybride. Revuelto, Urus SE und die neue Temerario leiten die Hybrid-Ära ein: 10.000 U/min V10 plus E-Motor, 950 PS, Soundtrack inklusive. Die Nachfrage bestätigt die Strategie: 94 % der 2025 ausgelieferten Fahrzeile trugen mindestens ein Stück „Ad Personam“-Individualisierung, im Schnitt 100.000 Euro nur für Extras.

Markt geht links, lamborghini geht rechts

Während die Branche sich ins Zeug für 2035 und CO₂-Null warf, arbeitet Lamborghini an einem Gegenentwurf: E-Fuels. Gemeinsam mit Eni wird in Italien synthetisches Benzin getestet – ein Seil, an dem sich der Verbrenner noch einmal hochziehen kann. Die Fabrik in Sant’Agata ist bereits klimaneutral, das Ziel lautet nun: Emissionsfreiheit ohne Emotionsverlust.

Der geopolitische Sturm kommt hinzu. Russland weg, China bricht ein, USA drohen mit Zöllen – das macht 30 % des Absatzes. „Es gibt keine neue Welt, die die Ausfälle kompensiert“, so Winkelmann. Die Lösung: Disziplin, Langfristplanung, Produkt zuerst. Und ein vierter Modellbaukasten, der irgendwann doch elektrisch wird – aber nur, wenn der Kunde die Hand dafür hebt.

Temerario ist ab sofort lieferbar, Goodwood und Monterey stehen auf dem Terminplan. Die Orderbücher sind voll, die Wartelisten lang. Die Devise: Solange der Gesetzgeber es erlaubt, bleibt der Kolben im Spiel. Der Ruf nach dem manuellen Gang bleibt unbeantwortet – dafür gibt es ein knackiges Zwischengas beim Hochdrehen in den elektrischen Boost. Luxus ist eben, wenn die Realität sich dem Traum anpasst, nicht umgekehrt.