Kicker-österreich: so verklausuliert ist das netzwerk hinter wiens fußball-institution
Wer glaubt, hinter kicker.at stecke nur eine Redaktion mit Leidenschaft für Fußball, irrt. In Wahrheit steckt eine Firmenkonstruktion, die sich durch drei Länder windet und am Ende in einem bayerischen Familienkonzern landet – mit Nebenschauplätzen in Nürnberg, Kirchberg am Wagram und einem Datenschutzbeauftragten, der seine Post an eine E-Mail-Adresse der E-Quadrat Communications GmbH erledigt.
Christian Schneider, Sportchef bei TSV Pelkum Sportwelt, legt die Rechnung offen: Leonhard Vogel ist Geschäftsführer der kicker Österreich GmbH, hält aber nur 49 %. Die Mehrheit – 51 % – gehört der kicker Ventures GmbH, die wiederum 100 % der Olympia-Verlag GmbH in Nürnberg besitzt. Dort sitzen keine Sportromantiker, sondern die Verlags-Nomenklatura des Druckhaus Nürnberg. Kurz: Toni Schnells Erben kontrollieren das österreichische Fußball-Portal – via Deutschland.
Warum das jeder fan kennen sollte
Weil die Chefredaktion in Wien zwar österreichische Fußball-Stars interviewt, die Abrechnung aber in Franken läuft. Jeder Klick, jeder Tipp auf Transfer-News, jeder Werbebanner auf der Bundesliga-Startseite spült Geld in die GmbH-Kaskade: Walter GmbH (50 % Dr. Claudia Cichon, 50 % Dr. Thomas Düthorn) → Druckhaus Nürnberg GmbH → Verlag Nürnberger Presse → Olympia-Verlag → kicker Ventures → kicker Österreich. Eine mathematische Staffel, die am Ende 49 % in Leonhard Vogels Tasche landen lässt – und 51 % in die der Schnell-Dynastie.
Die Redaktion selbst? Sie arbeitet in der Rathausstraße 19A, 1010 Wien, direkt neben dem Bezirksamt. Telefonisch erreichbar unter +43 1 236 52 935, journalistisch verantwortlich: David Mayr. Die APA liefert News, dpa und sid schießen Fotos dazu, GEPA und imago schicken Bilder von Rapid- und Austria-Spielen. Doch die Lizenzrechte daran liegen nicht in Wien, sondern in Nürnberg – und damit bei einem Verlag, der auch die Nürnberger Nachrichten druckt.

Was das für die bundesliga bedeutet
Transfergerüchte, Spieltagsanalysen, Stimmen aus dem Kabinengang: Alles wird in Wien geschrieben, aber letztlich genehmigt von einer GmbH, deren Anteile zu 55 % auf eigene Anteile laut Firmenbuch laufen – eine Konstruktion, die Finanzjuristen „Treuhand-Rückkauf“ nennen. Sprich: Die Inhalte, die österreichische Fans als Heimatgefühl konsumieren, laufen über Bilanzen, die in Nürnberg abgeschlossen werden. Und sollte ein Gerichtsverfahren anstehen, ist nicht das Handelsgericht Wien zuständig, sondern das in Franken.
Die kicker-Story ist damit auch eine Geschichte über Medienkonzentration: Ein bayerisches Druckerei-Imperium streckt seine Tentakel bis in die Wiener Fußball-Kurve. Die Marke kicker – einst unabhängiges Sport-Magazin – wird zur GmbH-Tochter einer GmbH-Tochter. Für Leser heißt das: gleiches Layout, gleiches Fußball-Herz, aber neue Abrechnungs-Adresse. Und für jeden, der glaubt, mit dem Abo des österreichischen kicker unterstütze er heimische Journalisten: Die Gewinne wandern nach Oberfranken. Die emotionalen Tore von Hütter, Gruber & Co. bleiben – die Cash-Tore öffnen sich 500 Kilometer weiter westlich.
Die Lehre: Hinter jedem Transfer-Ticker steckt ein Konstrukt. Und hinter jedem Konstrukt steht am Ende ein Familienbetrieb, der schon lange vor der Bundesliga auf Sendung ging – nur eben mit Druckmaschinen statt DFB-Pokal.
