Kauczinski zaubert den aufstiegsglauben zurück – 1860 jagt den traum

Seit Markus Kauczinski die Seitenlinie am Grünwalder Stadion betritt, atmt der TSV 1860 München wieder. Die Löwen holten aus den letzten sechs Spielen 16 von 18 Punkten – und plötzlich ist die Zweite Liga greifbar nah.

Vom krisenclub zum aufstiegskandidaten

Die erste Saisonhälfte war ein Desaster. Teure Neuzugänge wie Florian Niederlechner und Kevin Volland wirkten wie Fremdkörper, die Mannschaft wirkte ideenlos, die Fans verloren die Geduld. Nach acht Spielen war Schluss mit lustig: Patrick Glöckner musste gehen, die sportliche Leitung suchte einen Retter – und fand ihn in Gelsenkirchen.

Kauczinski, 56, kein Lauterer, kein Schönredner. Was er mitbrachte, war keine Zauberformel, sondern eine Mischung aus straffer Ordnung und menschlicher Wärme. „Ich bin kein Relaxer“, sagt er mit diesem rheinischen Unterton, der bei Spielern und Journalisten gleichermaßen ankommt. „Aber das Kribbeln gehört dazu. Das ist kein Stress, das ist Vorfreude.“

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: 16 Punkte aus sechs Partien, nur zwei Gegentore, eine Defensive, die endlich wieder Respekt verbreitet. Die Offensive zwar noch harmlos – personeller Notstand – aber die Mannschaft läuft, kämpft, glaubt.

Die nächsten gegner fordern die ganze squad

Die nächsten gegner fordern die ganze squad

MSV Duisburg, SV Waldhof Mannheim, Energie Cottbus – drei Gegner, die alles andere als Kanonenfutter sind. Kauczinski weiß das. Er sagt es nicht laut, aber sein Blick verrät: Er hat die Tabelle im Kopf, die Rückkehr von Kapitän Thore Jacobsen eingeplant, die Last der neun verbleibenden Spieltage kalkuliert.

Die Fans spüren es. Die Stimmung im Stadion ist wieder dieses Mischung aus Hoffnung und Anspruch, die München einzigartig macht. Keiner redet mehr vom Abstieg. Alle reden vom Aufstieg. Und das, nachdem vor zwei Monaten noch der Absturz in die Regionalliga möglich schien.

Kauczinski lacht über die ewige Frage nach den „richtungsweisenden Spielen“. „Jedes Spiel ist richtungsweisend, wenn man unten ist. Und jedes Spiel ist richtungsweisend, wenn man oben mitspielt.“ Eine Antwort, die gleichzeitig Taktik und Psychologie ist.

Die Löwen sind zurück im Rennen. Nicht, weil sie plötzlich galaktischen Fußball spielen. Sondern weil sie wieder an sich selbst glauben. Und weil ein Trainer aus Gelsenkirchen diesen Glauben nicht predigt, sondern lebt.