Katsuta schreibt geschichte: erster japaner seit shinozuka siegt in der wrc

Die rote Staubwolke über Naivasha hatte sich gerade gelegt, da stand Takamoto Katsuta bereits auf der Hut und zitterte trotzdem. 27 Sekunden Vorsprung – eine Ewigkeit im Rallyesport, ein Hauch im Leben. Doch diese 27 Sekunden bedeuten mehr als einen Sieg. Sie brechen eine 34-jährige Dürre. Japan hat wieder einen König in der WRC.

Ein nationalheld braucht drei ausrutschende giganten

Der 32-Jährige fuhr nicht schneller als je zuvor, er fuhr klüger. Als Oliver Solberg mit Plattfuß stehen blieb, Elfyn Evans im Fesh-Fesh versank und Rekordchampion Sébastien Ogier nach einem Bruch der hinteren Radaufhängung mit Handschlag und gebrochener Stimme den Helm in den Toyota Yaris warf, wusste Katsuta: Jetzt oder nie. Drei der Großen aus, eine Lücke weit wie das Rift Valley. Er riss sie auf, bis zum Zielbogen.

Der Toyota Gazoo Racing Teamchef ließ die Boxenwände beben: „Taka, du bist dran, vermassel es nicht.“ Katsuta vermasselte nichts. Er verwandelte die Führung, die ihm das Pech der Konkurrenz schenkte, in kaltes Selbstvertrauen. 94 Starts hatte er gebraucht. 94 Mal Startnummer, Streckenposten, Nervosität. Nun also die 95. mit dem bisher unbekannten Zusatz „Sieger“.

Der lange weg vom schattendasein zum podest

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Vergessen war die Rallye Katalonien 2020, als er in letzter Wertungsprüfung ans Dach flog. Vergessen die 2023er Saison, in der er fünf Mal in Folge eine Top-Fünf-Platzierung wegen Reifenschadens verspielte. „Ich weiß nicht, was ich sagen soll“, stotterte er ins Mikro von WRC+, Tränen in den Augenwinkeln. „Das Team hat immer an mich geglaubt, wenn es nicht funktioniert hat.“ Dieser Glaube war seine Schatzkiste. Und jetzt klappte sie auf.

Die Verwandlung des stillen Asiaten in einen Lautsprecher der Emotionen war live zu sehen. Er schlug mit der Faust aufs Dach des Yaris, küsste die japanische Flagge auf seinem Handschuh und ließ sich von seinem Beifahrer Aaron Johnston in einen Bärengriff ziehen. Die Mechaniker, sonst in Öl und Kohlestaub getaucht, trugen ihn auf Schultern. Die Bilder gingen um den Globus. In Tokio schalteten sie im Büro des Verkehrsministers kurz den Livestream ein. Dort sprach man danach über „Soft-Power auf Kies“.

Die wm wirft neue schatten – und ein altes land jubelt

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Die Meisterschaft bleibt trotz allem offen. Evans führt mit 66 Punkten, Solberg folgt mit 58, Katsuta springt auf 55. Drei Rallyes absolviert, elf kommen noch. Die Mathematik ist einfach: Wer in Kenia ausrutscht, darf in Kroatien, Portugal und Sardinien nicht erneut stolpern. Die Psycho-Logie ist komplizierter: Wer einmal die Unbesiegbarkeit verliert, trägt sie nicht so leicht wieder auf.

Doch das ist Makulatur für diesen Sonntag. Die Nachricht, die bleibt, heißt Japan. Zuletzt gewann Kenjiro Shinozuka 1992 in der Elfenbeinküste. Die damaligen Faxgeräte ratterten noch. Heute twittert die Toyota Motor Corporation innerhalb von Sekunden einen Glückwunsch mit drei aufeinanderfolgenden Flaggen-Emojis. Der Aktienkurs des Rallye-Teams? Steigt im nachbörslichen Handel um 1,4 %. Die Analysten nennen es „Image-Gewinn“.

Katsuta selbst packte nach der Siegerehrung einen kleinen Stoffbeutel aus. Darin: Erde von der Strecke, ein Zahnrad seines Getriebes und ein Foto seines Vaters Norio, der selbst fünfmal die Asia-Pacific-Rallye gewann. „Für die, die immer an mich geglaubt haben“, sagte er. Dann stieg er in den Yaris zum Shakedown nach Hause. Die 27 Sekunden sind Geschichte. Die Geschichte ist jetzt sein Beschleuniger.