Kai havertz schlägt zurück – ex-klub leverkusen k.o. mit 90-minuten-kopfschlag

Er kam, sah und traf – in der 89. Minute, ins linke Eck, ins Bayer-Herz. Kai Havertz kehrte nach fünf Jahren erstmals in die BayArena zurück und erntete vor dem Spiel Standing Ovations, nach dem Spiel den vernichtenden Applaus der eigenen Fans. Der 1:1-Ausgleich bedeutet für Bayer Leverkusen mehr als nur einen Rückstand fürs Rückspiel in London. Er bedeutet: Ein Liebling wird zum Henker.

Der pfiff, der wiedersehenstränen vertauschte

Schiedsrichter François Letexier entschied auf Strafstoß, nachdem Edmond Tapsoba Granit Xhaka im Zweikampf leicht berührt hatte. Die Arena tobte, dachte an Betrug – doch Havertz blieb kühl. Sein Laufstil: kurzer Stutser, Blick nach links, Ball nach links. Lukas Hradecky flog in die andere Ecke. 1:1. Die Arsenal-Bank explodierte, Leverkusens Coaching-Zone verstummte. Simon Rolfes, Sporting-Chef der Werkself, hatte Minuten zuvor noch geschwärmt: „Kai trägt zwar Rot, das Trikot hätte aber auch wieder schwarzrot sein können.“ Jetzt schluckte er.

Für Havertz war der Abend ein Schauspiel in drei Akten: 74 Minuten Zuschauen von der Bank, 16 Minuten Spielzeit, eine unendliche Nachspielzeit. Er ersetzte Viktor Gyökeres, den 67-Millionen-Mann, und machte dessen Kopfballtor mit einem späten Gegenschlag wertlos. Die Statistik: ein Schuss, ein Tor, 100 % Effizienz. Die Botschaft: Ich bin zurück – und ich treffe.

Die emotionale begrüßung vor anpfiff

Die emotionale begrüßung vor anpfiff

Bevor beide Teams das Warm-up absolvierten, wartete ein halbes Stadion auf ihn. CEO Fernando Carro, Rolfes, Aufsichtsratschef Werner Wenning – alle drei überreichten ein Geschenk, ein Bild in Ehrenrahmen, riesig. Die Nordkurve sang sein altes Spitznamenlied. Havertz lachte, winkte, verschwand dann in der Kabine. „Das habe ich noch nie erlebt“, sagte Rolfes später, „dass ein Auswärtsakteur so gefeiert wird. Das zeigt, wie tief seine DNA hier verwurzelt ist.“

Die DNA aber trug am Mittwoch die Farben des Gegners. Und sie war gnadenlos effektiv. Gabriel Martinelli schwärmte: „Er lässt sich fallen, öffnet Räume, macht uns besser. Jeder will mit ihm spielen.“ Mikel Arteta nannte ihn „intelligent und kaltblütig“. Die englische Presse spricht bereits vom „Havertz-Effect“, der Arsenal in der Königsklasse weiter tragen soll.

Leverkusen sieht die grenzen des possession-spiels

Xabi Alonso hatte seine Elf auf Hochbeschäftigung getrimmt: 68 Prozent Ballbesitz, 17 Schüsse, nur ein Tor – durch einen abgefälschten Corner. Dann kam der Konter, den niemand auf der Rechnung hatte: ein Einwurf, ein Doppelpass, ein Foul, ein Pfiff – ein Knacks. Die Werkself dominierte, vergaß aber das Toreschießen. Die letzte konsequente Idee fehlte. Havertz brachte sie mit einem simplen, perfekt platzierten Schuss.

Die Zahlen sind unbarmherzig: Leverkusen kassiert in dieser Saison in den letzten zehn Minuten bereits das fünfte Gegentor. Der Trend hat einen Namen: „Spätblüte“ – nur diesmal für den Gegner. Für das Rückspiel am 17. März in London fehlt nun nicht nur ein Tor, sondern auch die Zuversicht. „Wir müssen dort gewinnen“, sagt Rolfes, „das wird ein Kampf.“

Was den deutschen jetzt erwartet

Havertz’ Marktwert klettert laut Transfermarkt.de auf 75 Millionen Euro – ein Plus von acht Millionen seit Januar. Arsenal steht im Viertelfinale, sollte das Rückspiel nicht komplett kollabieren. Für den Nationalspieler geht es nach dem 1:1 nach Hause – mit dem Gefühl, eine Rechnung beglichen zu haben. 2020 wechselte er für 80 Millionen Euro nach Chelsea, damals mit Tränen, heute mit einem kalten Lächeln. Die Leverkusener Fans werden ihn nie hassen, aber sie werden ihn jetzt fürchten.

Und er? Er wird wieder lachen. Weil er weiß, dass man seine alte Liebe am besten mit einem späten Treffer vergisst.