James hunt: der playboy, der schneller lebte als das leben
Vor 33 Jahren verstarb James Hunt, der Inbegriff des Motorsport-Playboys. Sein Leben war ein Rausch aus Geschwindigkeit, Glamour und Kontroversen – ein Leben, das viel zu früh endete und dessen Schatten bis heute auf den Rennsport fällt. Die Erinnerung an den Mann mit den langen Haaren, der Zigarette und dem unkonventionellen Stil ist unvergesslich.
Ein leben am limit: hunt zwischen sieg und eskapade
Die Rivalität zwischen James Hunt und Niki Lauda, unsterblich festgehalten im Film „Rush“, war mehr als nur ein Kampf auf der Rennstrecke; sie war ein Spiegelbild zweier Welten. Hunt, der Draufgänger, der das Leben in vollen Zügen genoss, während Lauda der Perfektionist war, der alles kontrollieren wollte. Hunt verkörperte eine Ära, in der der Rennfahrer auch eine Ikone war, ein Stilikone, umgeben von Frauen und stets auf der Suche nach dem nächsten Nervenkitzel. Robbie Williams erkannte das Vorbild, als er sich in seinem Video zu „Supreme“ in diese Rolle schlüpfte.
Doch hinter der Fassade des glamourösen Playboy verbarg sich ein Mann, dessen Leben einen hohen Preis forderte. Der Weltmeistertitel von 1976 war errungen, aber seine Sucht und sein exzessiver Lebensstil nagten an ihm. Hans-Joachim Stuck erinnerte sich: „Zehn bis 15 Büchsen Bier pro Tag waren sein Mindestquantum. Dabei spielte es keine Rolle, ob das Rennen noch bevorstand oder schon vorbei war.“
Auch sein Liebesleben war legendär – und umstritten. Der Aufdruck auf seinem Rennanzug „Sex – Breakfast of Champions“ und die Behauptung, rund 5.000 Frauen verführt zu haben, waren Ausdruck einer Zeit, in der solche Eskapaden noch nicht so kritisch hinterfragt wurden, wie sie es heute wären. Sätze wie „Wo Hunt auftauchte, ging die Post ab“, die einst die Begeisterung für ihn ausdrückten, wären heute wohl kaum in einem Nachruf zu finden.
James Simon Wallis Hunt, geboren am 29. August 1947 als Sohn eines Londoner Börsenmaklers, hatte alles im Leben. Doch seine Leidenschaft galt dem Rennsport. Er stieg 1973 in die Formel 1 auf, zunächst bei Hesketh Racing, einem Projekt eines britischen Adligen. „Hunt the Stunt“, wie er genannt wurde, etablierte sich schnell und wechselte 1976 zu McLaren.

Die rivalität mit lauda: mehr als nur ein film
Die Saison 1976 und der dramatische Kampf gegen Niki Lauda wurden von Hollywood im Film „Rush“ überdramatisiert. Tatsächlich verband die beiden Racer eine tiefe Freundschaft, die Lauda bis zu seinem Tod immer wieder betonte. Er schätzte Hunts Können und wusste, dass dieser auf der Strecke ein verlässlicher Gegner war – jemand, dem man „vertrauen“ konnte, selbst in den gefährlichsten Situationen.
Nach seinem Titelgewinn konnte Hunt nicht mehr an diese Erfolge anknüpfen. Der tragische Unfalltod seines Freundes Ronnie Peterson überschattete die Saison 1978. Im Jahr darauf erklärte er mitten in der Saison seinen Rücktritt.
Auch abseits der Rennstrecke blieb Hunt eine prominente Figur, als Rennkommentator bei der BBC. In dieser Rolle schärfte er seine Legende weiter, stets umgeben von Kontroversen und einem gewissen Maß an Selbstüberschätzung. Alkoholismus prägte sein Leben, führte zu privaten Problemen und trug letztendlich zu seinem frühen Tod bei.
Es ist ein ironisches Schicksal: James Hunt, der sein Leben in vollen Zügen genoss, starb am Morgen des 15. Juni 1993 an einem Herzinfarkt, nur einen Tag, nachdem er seiner damaligen Lebensgefährtin Helen Dyson einen Heiratsantrag am Telefon gemacht hatte. Der Vergleich mit Lauda zeigt deutlich: 1 WM-Titel gegen 3, 10 Siege gegen 25. Doch die Erinnerung an James Hunt bleibt – ein Symbol für eine Ära, in der der Motorsport noch wilder, unberechenbarer und ungezügelter war. Ein Leben, das schneller endete, als es eigentlich hätte sein dürfen.
