Jaguar land rover verliert seinen design-guru: gerry mcgovern verabschiedet sich nach 22 jahren
Ende März dreht Gerry McGovern die Tür von Jaguar Land Rover (JLR) zu – und mit ihm verschwindet die Seele des britischen Premium-Designs. Nach 22 Jahren an der Pinselfront verlässt der 64-Jährige das Unternehmen, um eine eigene Kreativberatung zu gründen. Der Mann, der den Defender neu erfand und den Type 00 Concept skizzierte, tritt ab – mitten im Umbruch zur reinen Elektroluxusmarke.
Der abschied kommt im entscheidenden transformationsjahr
McGovern war seit 2004 bei Land Rover, seit 2020 Creative Officer für die gesamte JLR-Gruppe. Seine Handschrift prägt jeden aktuellen Range Rover, jeden Discovery – und eben jenen Defender, der 2020 wiedererstand, schärfer, digitaler, unverkennbar. Doch die Zukunft heißt jetzt „Reimagine“: bis 2030 will Jaguar nur noch E-Autos im Bentley-Segment bauen, Land Rover soll die CO₂-Rechnung seiner Giganten-SUV sauber bekommen. Genau in diese Zwickmühle fällt McGoverns Rückzug.
Der Designer aus Coventry selbst klingt im offiziellen Statement wie ein Mann, der weiß, dass seine Skizzenblöcke draußen größer sind als die Designstudios in Gaydon. „Es war ein Privileg, zwei außergewöhnliche Jahrzehnte in JLR zu verbringen“, sagt er und dankt der Familie Tata für „die Freiheit, Ikons neu zu erfinden“. CEO PB Balaji lobt zurück: McGoverns Vision habe „einen unverwischbaren Stempel“ auf die Marken gedrückt. Unverwischbar – aber eben nicht mehr zukunftsträchtig genug, um die nächste Design-Dekade zu leiten.

Type 00 concept wurde zur zerreißprobe
Der in Miami 2024 vorgestellte Jaguar Type 00 Concept war McGoverns letzter großer Auftritt. Das Fahrzeug spaltete die Community: zu glatt, zu retro, zu wenig Jaguar-Seele, lauteten die Vorwürfe. Doch genau dieses Concept soll das neue Markengesicht werden – weg vom BMW-Kampf, hin zur Bentley-Konkurrenz. Wer den Stift dafür schwingt, steht noch nicht fest; interne Quellen nennen zwei externe Kandidaten, beide mit Tesla-Vita.
Für JLR bedeutet der Wechsel mehr als nur einen leeren Chefstuhl. Die Aktie fiel an der Londoner Börse um 1,8 % – keine Katastrophe, aber ein Signal. Analysten fragen sich laut, ob die Design-Story ohne McGovern weitererzählt werden kann, während die Briten Milliarden in Batteriefabriken und Software stecken. Die Antwort liefert der Kalender: Bereits 2026 rollt der erste elektrische Range Rover vom Band – mit oder ohne McGouverneur.
