Hsv: stuttgart-debakel enthüllt tiefe krisen – rettung in sicht?

Der Hamburger SV hat am Sonntag in Stuttgart eine erschütternde Vorstellung abgegeben und unterlag dem VfB mit 0:4. Was als ambitionierter Aufsteiger in die Saison gestartet war, scheint nun in einer tiefen Sinnkrise zu versinken. Die Ausfälle mögen eine Rolle spielen, doch die Art und Weise, wie die Mannschaft versagte, wirft fundamentalere Fragen auf.

Personelle engpässe als ausrede?

Die Liste der Ausfälle war beeindruckend: Vuskovic, Muheim, Capaldo, Jatta, Lokonga und Dompé fehlten allesamt. Doch die Frage ist nicht primär, wie viele Spieler fehlen, sondern warum die verbliebenen Kräfte so kläglich versagten. Der HSV agierte ohne Gegenwehr, ohne Kampfgeist, ohne die Energie, die den Verein in der bisherigen Saison auszeichnete. Daniel Elfadli, der aufgrund von Vuskovics Ausfall in die Startelf rückte, räumte ein, dass die Mannschaft sich „mehr wehren“ musste – eine Untertreibung, angesichts der erbärmlichen Leistung.

Offensive-misere und fehlende alternativen

Offensive-misere und fehlende alternativen

Torhüter Heuer Fernandes konnte mit mehreren Glanzparaden ein noch höheres Debakel verhindern. Aber die Probleme liegen tiefer als nur in der individuellen Klasse eines Keepers. Die Offensive des HSV ist seit Wochen harmlos. Warmed Omari ist ein Schatten seiner selbst, Albert Grönbaek wirkt im zentralen Mittelfeld überfordert, und das Stürmerproblem ist offensichtlich. Selbst mit verschiedenen Personalvarianten gelingt es dem HSV nicht, konstant Gefahr im gegnerischen Strafraum zu erzeugen. Die Offensive ist schlichtweg nicht zweitligatauglich, geschweige denn bundesligatauglich.

Derbysieg als strohhalm?

Derbysieg als strohhalm?

Sechs Punkte Vorsprung auf den Relegationsrang sind trügerisch. Nur ein Sieg aus den letzten acht Spielen, und das schmeichelhafte 2:1 in Wolfsburg, verdeutlichen die desolate Situation. Merlin Polzin betonte zwar, dass wichtige Spieler fehlten, doch das darf keine Ausrede sein. Der HSV muss sich dem Ernst der Lage stellen und eine Trendwende herbeiführen. Das anstehende Derby gegen Bremen wird zum Abstiegs-Endspiel. Ob die personelle Entlastung – mit der Rückkehr von Capaldo, Vuskovic, Muheim und Lokonga – den entscheidenden Ausschlag gibt, bleibt abzuwarten.

Die Richtung stimmt seit Wochen nicht mehr. Stuttgart war kein vorläufiger Tiefpunkt, sondern ein Weckruf. Der HSV muss dringend wieder mehr Energie, mehr Leidenschaft und vor allem mehr Entschlossenheit auf den Platz bringen, wenn er die Klasse halten will. Sonst droht dem Verein der Abstieg in die Zweite Bundesliga – und damit ein herber Rückschlag für den gesamten Verein.