Honda gold wing 50th anniversary: 50 jahre königin der straße – ein ritt auf der mächtigsten reiseyacht der welt
Fast vier Zentner Stahl, ein Sechszylinder-Boxer wie ein Walherz und ein Airbag, wo sonst das Brötchen liegt – die Gold Wing 50th Anniversary ist keine Maschine, sie ist ein Statement. Klaus Schäfer fuhr die Sonderedition durch Mailands Wintertrubel, über die Serpentinen der Brianza und die leere A4 – und kam zurück mit einem Grinsen, das unter dem Integralhelm steckengeblieben ist.
Warum diese maschine nach fünf jahrzehnten noch immer die referenz bleibt
Honda baut seit 1975 die Gold Wing – und hat sie 2024 noch einmal neu erfunden, ohne das Rad zu drehen. Stattdessen pfefferte die Japaner ihrer Königin eine Goldkappe auf: Die Farbe Eternal Gold erinnert an die GL1500 von 1988, die erste Sechszylinder-Wing. 400 Euro Aufpreis für Nostalgie auf 1.833 cm³. Das ist kein Marketinggag, das ist Religion.
Die Zahlen klingen wie aus einem Lastwagenkatalog: 126 PS, 170 Nm bei 4.500/min, 393 kg tankvoll. Doch die Physik lügt. Dank Doppelkupplungsgetriebe (DCT) und Walking Mode schiebt sich die Wing mit angezogener Handbremse durch Stauketten, als wäre sie ein 60.000-Euro-Scooter. Im Eco-Modus purzelt sie so sanft durch die Gänge, dass selbst Fahranfänger glauben, sie hätten das Prädikat „Gold“ im Führerschein versteckt.

Wie sich 400 kilogramm in einer kurve anfühlen – und warum sie plötzlich verschwinden
Die Double-Wishbone-Vorderradaufhängung ist kein Baukasten, sondern ein Zaubertrick. Sie trennt Lenkung von Federung – das Resultat: Die Wing neigt sich nicht, sie schwebt. In der berüchtigten Via dei Giovi biss die 320er-Doppelscheibe vorne so brutal zu, dass das Cockpit die G-Kräfte in 0,8 Sekunden auf 0,3 g drosselt – und der Fahrer lacht, weil er denkt, er wäre im Simulator.
Autobahn: 130 km/h, siebter Gang, 2.800/min. Die Zylinder ticken wie ein Schreibtischventilator, das Navi spuckt „Ankunft in 1.200 km“ aus, der Airbag schläft. Die Beifahrerin heizt sich über die Fernbedienung die Rückenlehre auf Stufe drei – und wechselt auf W-Lan in den Airbus-Sound der Boxen. Verbrauch: 5,9 l/100 km. Tank: 21 Liter. Reichweite: 360 km. Kein Rekord, aber ein Wink mit dem Goldring: Wer weiter will, muss halt Kaffee trinken.
Der preis ist kein fehler – er ist das eintrittsgeld in einen club, der keine kompromisse kennt
38.290 Euro für die Tour-Version. Keine Rabattaktion, kein „Sondermodell“. Dafür gibt es ein Motorrad, das in zehn Jahren noch genauso fährt wie heute – und das ist die eigentliche Revolution. Honda verbaut keine Spielereien, sondern Pharmatechnik: Airbag, Hill-Start, Start-Stopp, CarPlay, Android Auto, elektrische Verkleidung. Alles steckt im Preis, nicht auf der Rechnung.
Nach 1.400 Testkilometern bleibt eine Erkenntnis: Die Gold Wing ist keine Maschine für Samstage. Sie ist ein Pass für Sonntage, die nie enden. Wer sie fährt, der weiß: 50 Jahre sind keine Geschichte – sie sind erst der Prolog.
