Golfkrieg lässt ölpreise explodieren: ihr auto wird teurer!
Wer jetzt sein Auto wartet, muss tiefer in die Tasche greifen: Der Konflikt im Golf von Persien hat eine massive Knappheit an Basisölen verursacht, die für die Herstellung von Motorölen unerlässlich sind. Das Ergebnis: Die Preise steigen rasant, und das wirkt sich direkt auf die Kosten für Autofahrer aus.
Die ursache: ein gestörter ölfluss
Es ist nicht nur die Sorge um Benzin und Diesel, die durch die Spannungen im Golf von Persien und die Sperrung des Hormus-Straits ausgelöst wurde. Auch die Produktion und der Vertrieb von Schmierölen sind massiv betroffen. Experten warnen vor einer zunehmenden Verknappung der sogenannten Basisöle – die Grundstoffe, denen von den Ölgesellschaften noch Additive beigemischt werden, um sie für verschiedene Anwendungen (Autos, Motorräder, Baumaschinen, Schiffsantriebe) geeignet zu machen.
Besonders hart trifft es den Transportsektor, der große Mengen an Öl benötigt. Während Industrieanlagen mit hydraulischen Maschinen etwas besser dran sind, kämpfen Flottenbetreiber bereits mit Engpässen. Die Situation ist ernst, und die Ursachen sind vielfältig.
Ein wesentlicher Faktor ist, dass nicht alle Raffinerien Basisöle produzieren. Viele beschränken sich darauf, die Rohstoffe zu veredeln. Die meisten Raffinerien, die Basisöle herstellen, befinden sich im Golf von Persien, insbesondere in den Vereinigten Arabischen Emiraten und Katar. Diese Länder beherbergen auch zahlreiche Mischwerke, die die Basisöle mit Additiven kombinieren.
Die Blockade des Hormus-Straits hat den Ölfluss nach Westen unterbrochen. Zuvor kamen rund 20 Prozent der für die Schmierölproduktion benötigten Basisöle aus dieser Region – ein Wert, der dem der Öllieferungen insgesamt entspricht. Hinzu kommen die Schäden, die durch Angriffe auf Ölgesellschaften im Nahen Osten entstanden sind, darunter die Raffinerie Ras Laffan in Katar und die Raffinerie Ruwais in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Die Reparatur der Schäden wird voraussichtlich mindestens ein Jahr dauern.
Auch die saudische Raffinerie Samref, die zwar keine fertigen Öle, sondern Vorprodukte herstellte, wurde stillgelegt. Insgesamt haben alle Raffinerien im Golfgebiet ihre Produktion eingestellt, da sie keine Möglichkeit haben, das Produkt zu lagern. Viele Betriebe haben zudem die Produktion von Dieselöl erhöht, da die Preise aufgrund der Verknappung stark gestiegen sind – auf Kosten der Basisölproduktion.

Was bedeutet das für autofahrer?
Für den einzelnen Autofahrer gibt es zum Glück noch keine Panik. Auch wenn Hersteller oft bestimmte Marken empfehlen, können Werkstätten in der Regel problemlos auf alternative Schmieröle ausweichen, die den technischen Anforderungen entsprechen. Allerdings müssen Flottenbetreiber mit erheblichen Problemen rechnen. Ein einzelner Hersteller benötigt beispielsweise jährlich eine Million Liter Öl – und hat Schwierigkeiten, die Lieferungen zu erhalten.
Die Preise für Schmieröle sind bereits gestiegen. Laut Icis, einem internationalen Spezialisten für Rohstoffpreisanalysen, sind die Spotpreise (also die Preise für sofortige Lieferung) für Basisöle in Europa innerhalb weniger Wochen um 70 Prozent gestiegen. Im Mai stiegen die Preise sogar um 175 Prozent für Basisöle der Gruppe III und um 124 Prozent für Basisöle der Gruppe II.
Für den deutschen Autofahrer bedeutet das derzeit einen Preisanstieg von etwa einem Euro pro Liter (zuzüglich Mehrwertsteuer). Für Flottenbetreiber, die Tausende von Fahrzeugen unterhalten, kann dies jedoch zu erheblichen Mehrkosten führen. Während Werkstätten die Preise anpassen können, sind Leasinggesellschaften gezwungen, die gestiegenen Kosten zu tragen, ohne die Leasingraten erhöhen zu können.
Die Situation ist angesichts der Schäden im Golf von Persien und der anhaltenden Spannungen nicht kurzfristig zu lösen. Selbst wenn die Schifffahrt durch den Hormus-Strait wieder freigegeben wird, wird es Monate dauern, bis die Produktion und die Lieferketten wieder normal funktionieren.
