Franzoni, pirovano & co.: das sind die speed-helden, die die schweizer nächsten winter jagen müssen
Die Kristall ist verteilt, die Gams verteilt – und plötzlich stehen neue Namen auf den Startlisten, die vor zwölf Monaten noch niemand auf dem Zettel hatte. Die Speed-Saison 2025/26 war kein Übergang, sie war ein Generationswechsel. Wer jetzt noch auf Beat Feuz-Plakate schaut, verpasst die Gegenwart.
Giovanni franzoni: der italiener, der die streif eroberte und odermatt die stirn bot
24 Jahre, 1,86 Meter, Startnummer 19 – und trotzdem fuhr Giovanni Franzoni in Wengen allen davon. Sein Sieg im Super-G war kein Zufall, sondern die logische Folge aus fünf Podestplätzen in Serie. Der Mann aus Bormio schaffte das, was viele Schweizer vermissten: Er verwandelte Tempo in Konstanz. In der Abfahrt ist er jetzt Weltcup-Vierter, im Super-G Fünfter – und das mit einem Sprung aus der zweiten Startgruppe heraus. Die Botschaft an Marco Odermatt: Der neue Rivale kommt nicht aus Österreich, er kommt aus dem Süden.
Was Franzoni antreibt? Die gleiche Euphorie, die einst Dominik Paris auszeichnete: „Wenn ich die Streif runterbrettere, höre ich nur meinen Atem – und das Pfeifen der Fans.“ Diese Mischung aus Adrenalin und Selbstvertrauen macht ihn zur grössten Bedrohung für die Schweizer Speed-Hoffnungen Olympia 2026.

Laura pirovano: die italienerin, die val di fassa in ein einziges fest verwandelte
Doppelsieg vor heimischem Publikum, kleine Kristallkugel, drei Siege in Folge – Laura Pirovano lieferte das Märchen, das sich selbst Sofia Goggia nicht ausmalen durfte. Die 28-Jährige war früher die ewige Vierte, jetzt ist sie die Jägerin. Ihre Konstanz: 100 % Top-10 in allen neun Abfahrten. Ihre Schwäche: Sie kennt sie nicht mehr.
Die Schweizer Antwort? Corinne Suter muss im Training um drei Zehntel schneller werden, sonst wird sie nächsten Winter nur noch Staub schlucken. Pirovano hat nämlich nicht nur Tempo, sie hat auch ein Psychowaffenarsenal: Sie lächelt vor dem Start, während andere beten.

Emma aicher: das deutsche phantom, das den weltcup erschüttert
22 Jahre, drei Siege, fünf Podestplätze – und trotzdem keine Kugel. Emma Aicher verpasste die kleine Kristallkugel in der Abfahrt um 28 Punkte, weil sie in Kvitfjell nur Zweite wurde. Die Zahlen lügen nicht: Sie ist schneller als Kira Weidle, konstanter als Elena Curtoni und hungriger als alle zusammen. Ihr Vater war DSV-Trainer, ihre Mamma ehemalige Slalom-Läuferin – das Speed-Gen sitzt tief.
Das Beunruhigende: Aicher kann auch Riesenslalom fahren. Wenn sie nächsten Winter in beiden Speed-Disziplinen angreift, droht der Schweiz ein Doppelschlag: italienisch vorne, deutsch direkt dahinter.

Die schweizer, die zurückschlagen müssen
Alessio Miggiano ist kein Name, er ist ein Versprechen. 23 Jahre, erster Fixplatz, fünfter Rang in Gröden – das reicht nicht, um die Italiener zu stoppen. Er braucht einen Sieg, sonst bleibt er schön für die Statistik. Malorie Blanc lieferte mit ihrem Heimsieg in Crans-Montana den emotionalsten Moment des Winters, doem emotionalsten Moment nützt nichts, wenn sie in der Abfahrt weiter nur Achter wird.
Die bittere Bilanz: Kein Schweizer Sieg in der Abfahrt der Männer, keine kleine Kristallkugel bei den Frauen. Das war 2025/26. Wer nächsten Winter nicht zulegt, wird abgehängt – und das nicht nur von den Italienern, sondern auch von einem Tschechen namens Jan Zabystran, der in Gröden Geschichte schrieb und seither jeden Start als Revanche sieht.
Der Countdown läuft. In 180 Tagen geht’s nach St. Moritz. Wer dann nicht bereit ist, wird keine Gams, keine Kristall – nur noch die Erinnerung an eine Saison, in der alles anders wurde.
