Ferraris ‚macarena'-flügel tanzt noch nicht: china-test abgebrochen

Shanghai — Die roten Ingenieure haben einen 270-Grad-Dreher hingelegt, doch der saloppe Spitzname ‚Macarena‘ vernebelt nur die nackte Wahrheit: Der neue Hinterflügel der SF-26, der sich auf der Geraden aufrichtet und die Stallgeschwindigkeit um bis zu 7 km/h erhöhen soll, wurde nach FP1 wieder in die Kisten gepackt. Kein Einsatz im Sprint-Qualifying, kein Datum für das Comeback.

Vasseur bestätigt: „zu früh gekommen“

Teamchef Frédéric Vasseur redet die Rettungsaktion klein: „Wir haben Kilometer gesammelt, mehr nicht. Die Entscheidung fällt später.“ Lewis Hamilton, sonst Selbstbewusstsein auf Rädern, wirkte in der Länderschaltung zwischen zwei Radiosprüchen sichtlich verhalten: „Wir haben die Entwicklung beschleunigt, vielleicht war es ein bisschen früh.“ Die Worte klingen wie ein Eigentor, nachdem er am Donnerstag noch von einem „großen Schritt“ schwärmte.

Charles Leclerc spielte den Statisten: „Ich spüre keinen großen Unterschied.“ Die Datenlage lügt nicht: Auf den 1,2 Kilometern des Back-Straights fehlten 0,18 Sekunden auf Mercedes. Eine Ewigkeit, wenn das Ziel Podium lautet. Die Aerodynamiker in Maranello müssen neu rechnen, die Piloten neu vertrauen. Ein Teilsieg bleibt, dass nichts kaputtging.

Mercedes fliegt, ferrari tanzt auf der stelle

Mercedes fliegt, ferrari tanzt auf der stelle

Während George Russell mit verbundenen Augen die Pole holt, rätselt die Scuderia, warum der innovative Flügel bei 320 km/h zittert statt zu boosten. Der Verdacht: Die mechanischen Stopper halten die Torsionslast nicht stand, ein zweiter Anflug könnte das Carbon bersten lassen. Deshalb lieber zurückstecken als riskieren, heißt es intern.

Die Konkurrenz beobachtet gespannt. Red Bull ließ gestern Abend durchblicken, man habe ein ähnliches Konzept bereits verworfen, weil die Gewichtsstrafen das Benefit auffressen. McLaren-Chef Andrea Stella lachte trocken: „Wenn es so einfach wäre, würden es alle bauen.“

Für die ‚Macarena‘ heißt es jetzt: Trainingslager statt Disco. Die next Generation des Flügels soll in Imola auf die Bahn rollen, wenn die Streckenlayout-Rechnung stimmt und die Windkanal-Werte endlich pünktlich zur Party kommen. Bis dahin trägt die SF-26 den Standard-Flügel – und die Piloten die Last, die Hoffnung nicht zu früh begraben zu müssen.

Die Uhr tickt. Noch neun Rennen, bis die Entwicklungspflicht ruht. Ferrari hat eine Idee, aber noch keinen Beweis. In der Formel-1 zählt nur, was hinten rauskommt – und das ist gerade einmal Platz sechs im Sprint. Der Tanz ist vertagt, die Musik aber nicht ausgedruckt.