Ferrari reitet ins jahr des feuerpferds – leclerc attackiert mercedes

Shanghai, 12. März 2026 – Das Reckpferd im Logo zieht sich die Hufe hoch, und Charles Leclerc will endlich durchstarten. Am Sonntag rollt die Formel 1 wieder über die 5,4 Kilometer des Shanghai International Circuit – und Ferrari wirft das chinesische Horoskop in die Waagschale. Seit dem 17. Februar herrscht laut Kalender das Jahr des Feuerpferds, genau das Symbol, das die Scuderia seit 1947 auf ihren Flanken trägt. „Ich warte darauf seit meinem ersten Tag hier“, sagt Leclerc, „vielleicht spuckt es uns endlich die Siege aus, die wir versprochen bekommen haben.“

Schwarzer samstag liegt 361 tage zurück

Die Rechnung klingt volkstümlich, die Erinnerung ist bitter. Vor einem Jahr schickten Leclerc und der frisch gekürte Lewis Hamilton das Duo SF-26 als fünften und sechsten ins Ziel – nur um kurz danach disqualifiziert zu werden. Die Techniker fanden zu viel Abrieb an den Planken, 0,9 Millimeter statt erlaubter 1,0. Die Punkte weg, das Gesicht verloren. „Das ist Vergangenheit, wir haben das Regelbuch seitdem neu aufgeschnitten“, sagt Hamilton, der hier 2025 noch den Sprint gewann. Die neue Aerodynamik-Matrix erlaubt engeres Folgen, die Motorensoftware wurde liberalisiert – und Mercedes hat trotzdem die erste Schippe Vorsprung draufgelegt.

Melbourne bestätigte die Rangelei: George Russell siegte, Leclerc landete 4,2 Sekunden später auf Rang drei. Die Seitenkanäle am SF-26B funktionieren, aber nur bei 245 km/h und mehr. Darunter bleibt das Auto träge, die Reifen kühlen aus. „Wir haben eine Hausaufgabenliste für den Windkanal, die länger ist als die Great Wall“, gibt Teamchef Frédéric Vasseur zu. Die Ingenieure arbeiteten in drei Schichten durch, weil Shanghai mit seinen langen Geraden und 180-Grad-Kurven genau diese Schwachstelle trifft.

Sprint am morgen, gp am abend – die stunde der wahrheit rückt näher

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Der Zeitplan ist rücksichtslos: Samstag um 4 Uhr deutscher Zeit steigt der Sprint, 24 Stunden später der Große Preis. Beide Rennen werden live bei Sky übertragen – und beide dürften in die Kiste der Mercedes-Statistik fallen, wenn Ferrari nichts einfädelt. „Unser Abtrieb ist besser als letztes Wochenende, aber Mercedes fährt im zweiten Sektor mit halb verschlossenen DRS-Flügel davon“, sagt Leclerc. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: In den letzten neun Rennen holte Mercedes 401 von 450 möglichen Punkten, Ferrari 232.

Dennoch: Die Reifenmischung C3/C4 kommt der Scuderia entgegen, weil sie mit niedrigerem Druck arbeiten darf. Bei 22 Grad Lufttemperatur und 38 Grad Asphalt schmilzt der Vorteil der Silberpfeile. „Wenn wir in Q3 die richtige Pressure-Map fahren, sind zwei Zehntel drin“, rechnet Vasseur vor. Hamilton nimmt sich bescheidener: „Erstmal müssen wir McLaren und Red Bull im Auge behalten. Die schlafen nicht.“ Lando Norris’ Upgrades am MCL40 sollen laut Insider 0,15 Sekunden bringen, Sergio Pérez’ RB22 verliert durch neue Floor-Regeln 0,08 – aber gewinnt an Zuverlässigkeit.

Die Mechanik steht also erneut unter Strom, der Mythos des Feuerpferds liefert den Soundtrack. 120.000 Ferrari-Fans haben Tickets für die Tribünen an der Start-Ziel-Geraden – alle wollen das erste Ross springen sehen, seitdem die Scuderia 2024 in Singapur gewann. Leclerc schließt seine Helmpflicht: „Wenn das Pferd durchbrennt, reiten wir mit. Wenn nicht, jagen wir es trotzdem.“ Eine Ansage, die genau so ins Boxenradio passt – und Shanghai in Wallung bringt.