Dtm-jagd beginnt in spielberg: 21 piloten, vier neue gt3-monster und ein reifen, der alles umwirft

Die DTM schaltet 2026 einen Gang höher – und niemand weiß, wer zuerst durchdreht. Am Wochenende startet in Spielberg die Saison mit 21 GT3-Boliden, vier frisch entwickelten Autos und einem Pirelli-Exklusivreifen, der selbst Ingenieure ins Schwitzen bringt.

Neue autos, alte probleme

Ferraristas bekommen einen aufgefrischten 296 GT3, Ford-Piloten einen überarbeiteten Mustang GT3 und Porsche-Fans einen neugeborenen 911 GT3R. Lamborghini aber sprengt den Rahmen: Der Temerario GT3 kommt mit Biturbo statt Sauger, ein technischer Kaltstart für ein Team, das den Huracán GT3 Evo2 bis zur letzten Zehntel ausgereizt hatte. Die Balance of Performance wird zum Hexenkessel, denn jeder Hersteller pocht auf seine eigene Wetter- und Strecken-Matrix. Wer die Lücke zwischen Eisregen und 40-Grad-Asphalt trifft, fährt im Oktober in Hockenheim als Champion über die Ziellinie.

Aston Martin, BMW, McLaren und Mercedes-AMG dagegen setzen auf Bewährtes. Doch genau das könnte zur Falle werden, wenn die neuen Reifen ihre Spielregeln durchsetzen.

Pirelli liefert den joker – und verlangt blut

Pirelli liefert den joker – und verlangt blut

Die Italiener haben den DHG-Standard abgelöst und bringen einen RFID-getaggten Sondergummi aus Breuberg. Er wärmt schneller auf, spuckt im Qualifying eine Extrarunde aus – und zerfetzt sich danach wie Butter in der Pfanne. Option 1 und 2 landeten im Wintertest im Müll, weil das Graining extrem war. Übrig blieb Option 4, ein Kompromiss, der trotzdem noch zwei Zehntel pro Runde verspricht. Fahrer mit weichem Gasfuß gewinnen, Hersteller mit aggressiven Set-ups zahlen. Mercedes-AMG und Lamborghini kämpften bereits in den Tests mit Plattfehlern, die Ingenieure sprechen hinter vorgehaltener Hand von „Reifenroulette“.

Grid geschrumpft, qualität geblieben

Grid geschrumpft, qualität geblieben

Mit 21 statt 24 Startplätzen wirkt das Feld kompakter, elitärer. Manthey reduziert das Porsche-Kontingent, Emil Frey zieht einen Ferrari zurück. Audi verschwindet komplett – Land-Motorsport wechselt zu Porsche. Dafür kehren alte Bekannte zurück: Kelvin van der Linde ersetzt René Rast bei BMW, Mirko Bortolotti steigt bei Grasser wieder in den Lamborghini ein, den er selbst mitentwickelt hat. Matteo Cairoli springt für Jack Aitken ein, Ricardo Fellerübernimmt Ayhancan Güvens Manthey-Sitz. Und Finn Wiebelhaus? Der 19-jährige „Road to DTM“-Sieger bekommt bei Haupt Racing neben Arjun Maini den Ford Mustang serviert – ein Debüt, das sich Deutschlands Nachwuchs auf dem Zettel markieren sollte.

Champions, zicken und ein neuer ton im ohr

Champions, zicken und ein neuer ton im ohr

Die Titelliste liest sich wie ein Who-is-Who des GT3-Sports: Marco Wittmann, Thomas Preining und Bortolotti tragen die Krone bereits. Doch die technischen Unbekannten lassen jeden von null beginnen. Lucas Auer, Maro Engel und Jules Gounon bilden das Mercedes-Trio, Nicki Thiim bekommt seinen lang ersehnten Aston Martin, Timo Glock pilotiert den McLaren von Dörr Motorsport – und will endlich wieder gewinnen, statt nur dabei zu sein.

Am Mikrofon wechselt die DTM das Gesicht. Nach acht Jahren ist Eddie Mielke raus, Tobias Schimon übernimmt. Der Nürnberger kennt die Boxengassen-Gerüche, hat schon 2024 am Norisring Probe gelaufen – und muss jetzt liefern, wenn in Spielberg die roten Lichter erlöschen.

Der Saisonstart in der Steiermark ist ein Poker mit offenen Karten: Neue Autos, neue Reifen, neue Stimmen – und nur drei Ex-Champions, die wissen, wie man gewinnt. Wer die richtige Mischung trifft, fährt im Oktober auf dem Hockenheimring nicht nur über die Ziellinie, sondern direkt in die Geschichte der DTM.