Changan deepal s05: 435 ps e-suv aus italien schlägt tesla-preis

42.990 Euro. Für das Geld bekommt man in Deutschland gerade einen VW ID.4 mit Frontantrieb und 174 PS. Changan liefert dafür einen 4,60-Meter-SUV mit Allrad, zwei Elektromotoren und 435 PS – designt im Stilezentrum Rivoli bei Turin. Der Deepal S05 Awd Max ist kein Spielzeug aus Fernost, sondern ein Statement, wie schnell die chinesische Premium-Offensive rollt.

Kein digital-cockpit, dafür ein hud, das fliegt

Der erste Eindruck im Innenraum: nichts zu tun außer dem Lenkrad und einem 15,4-Zoll-Schwenkdisplay. Kein Tastenmeer, keine haptische Rückmeldung, keine klassische Instrumentenblende. Stattdessen projiziert ein Augmented-Reality-HUD Tempo, Navi-Pfeile und G-Kräfte direkt auf die Frontscheibe – so nah, dass sie sich wie ein zweites Visier anfühlen. Die Reduktion polarisiert: Wer Apps gewöhnt ist, findet sich sofort zurecht; wer auf alte Schule schwört, vermisst den Klick. Eine Frage von zehn Minuten Eingewöhnung oder permanentem Groll.

Dahinter steckt Systemkraft, die Zahlen sind schonungslos. 320 kW, 502 Nm, 0–100 km/h in 5,5 Sekunden – das reicht, um einen Audi Q4 e-tron 50 quattro auf der Überholspur stehen zu lassen. Die LFP-Batterie kommt auf 68,8 kWh Nutzenergie, WLTP-Reichweite 445 Kilometer. Bei 180 km/h ist Schluss, weil die Zellen lieber lange leben sollen als kurz glühen. Ladekurve: 200 kW DC, 30–80 % in 15 Minuten, ein Kaffee also, kein Drei-Gänge-Menü.

Die kalte Teststrecke bei Balocco bewies, dass Allrad mehr ist als Marketing. Verteilung 50:50, ESP-Regelung fast vollständig abschaltbar, 2,07 Tonnen fahren sich bei 30 cm Schnee spielerisch neutral. Wer will, driftet durch die Kehre; wer muss, tritt das Pedal durch und spürt, wie jede Achse für sich arbeitet. Die Abstimmung der ZF-Feder-Dämpfer-Module stammt aus demselben Turiner Labor, das auch Maserati-Setups testet – spürbar in der Seitenführung, nicht nur auf dem Papier.

Preis-check: 36.990 euro reichen für heckantrieb mit 272 ps

Preis-check: 36.990 euro reichen für heckantrieb mit 272 ps

Wer mit dem Gedanken spielt, auf Allrad zu verzichten, bekommt die Rwd Pro für 36.990 Euro. Einzelmotor, 200 kW, 485 Kilometer Reichweite – das reicht für Pendler, die ohnehin nie auf verschneiten Alpenpässen unterwegs sind. Beide Varianten teilen sich die ausfahrbare elektrische Heckklappe, das 1,25 m³ Ladevolumen und die 125 Liter Frunk für Ladekabel plus Einkauf. Garantie: acht Jahre auf die Batterie, fünf Jahre auf das Fahrzeug, keine versteckten Deductibles.

Marktstart in Deutschland ist noch offiziell offen, doch erste Zulassungszahlen laufen über niederländische Importeure. Die Nachfrage ist so groß, dass die ersten 500 Reservierungen innerhalb von 48 Stunden gebucht waren. Ein Signal, dass der europäische Käufer längst bereit ist, Markenloyalität gegen Preis-Leistung zu tauschen – wenn das Produkt überzeugt.

Changan selbst spricht von 50.000 Einheiten globaler Produktion für 2025, 30 % sollen nach Europa gehen. Das Werk in Nanjing läuft bereits auf 130 Stück pro Tag hoch, zweischichtbetrieb. Die italienische Designzentrale wurde dabei nicht nur als Styling-Büro missbraucht: Feder-Kinematik, Aerodynamik, Sitzergonomie – alles wurde auf dem Nürburgring und in den Alpen getestet, bevor die Karosserie in Serie ging. Ein chinesisches Herz mit europäischem Hirn – so die Eigenbeschreibung.

Ob das reicht, um VW, Skoda & Co. die Butter vom Brot zu nehmen? Die Antwort steht in den Verkaufszahlen des nächsten Quartals. Eines ist sicher: Wer heute 40.000 Euro für ein E-SUV ausgibt, bekommt künftig mehr PS und mehr Reichweite pro Euro als je zuvor. Die Zeiten, in denen „Made in China“ ein Kompromiss war, sind endgültig vorbei. Jetzt ist er ein Kampfpreis mit italienischem Mantel und bayerischem Druckgefühl – und genau das ist das Spannende an diesem Sport, den wir „Automobilmarkt“ nennen.