Bmw f 450 gs: die gs für alle ab 7.590 euro im test

Ab 7.590 Euro und mit genau 48 PS – mehr braucht es nicht, um in den Kreis der echten GS-Familie aufgenommen zu werden. Die neue BMW F 450 GS macht keine halben Sachen: Sie will der Maßstab für alle A2-Adventure-Motorräder sein, und nach meiner Ausfahrt in Catania wage ich zu sagen, dass sie verdammt nah dran ist.

Für wen ist diese maschine wirklich gebaut?

BMW spricht bewusst keine einzelne Zielgruppe an. Der 18-jährige Führerscheinfrischling gehört genauso dazu wie der Fünfzigjährige, der nach Jahren Pause wieder auf zwei Räder steigen möchte. Das ist keine Marketingformel – das spürt man beim Fahren. Die F 450 GS stresst nicht. Sie überfordert nicht. Und trotzdem langweilt sie sich nicht auf kurvigen Landstraßen.

Was sie nicht ist: ein billiger Kompromiss für alle, die sich die große R 1300 GS nicht leisten können. Der rote Faden zur großen Schwester ist echte Bauqualität und dynamische Vielseitigkeit – kein aufgeklebtes GS-Logo.

Verarbeitung, die sprachlos macht – für diesen preis

Verarbeitung, die sprachlos macht – für diesen preis

Schon beim ersten Anfassen fällt auf, was BMW hier geleistet hat. Brems- und Kupplungshebel sitzen bombenfest, kein Spiel, kein Wackeln. Das goldene eloxierte Lenkerrohr gibt der Maschine einen Racing-Touch, der sich nicht aufgesetzt anfühlt. Die Verarbeitungsqualität ist in dieser Preisklasse schlicht ohne Konkurrenz – oder zumindest ohne ernsthafte.

Das 6,5-Zoll-TFT-Display mit vollständiger Smartphone-Anbindung sitzt sauber integriert im Cockpit. Wer das GS Trophy-Paket wählt, bekommt zusätzlich einen dreifarbigen Sitzbank in Weiß-Rot-Blau, die sich sowohl optisch als auch haptisch deutlich von der schwarzen Standardversion abhebt.

Das herz: ein zweizylinder mit echter durchzugskraft

Das herz: ein zweizylinder mit echter durchzugskraft

Unter dem Tank arbeitet ein 420-ccm-Parallel-Zweizylinder mit 48 PS bei 8.750 U/min und 43 Nm Drehmoment. Bemerkenswert: Bereits ab 3.000 U/min liegen 80 Prozent des maximalen Drehmoments an. Das ist für die Kategorie außergewöhnlich – und auf der Straße spürbar.

Vier Fahrmodi stehen zur Wahl: Rain, Road, Enduro und Enduro Pro. Letzterer ist allerdings dem Exclusive-, Sport- und GS-Trophy-Paket vorbehalten. Das ABS Pro reagiert auf den Schräglagenwinkel, die Traktionskontrolle arbeitet im Hintergrund – und dann ist da noch die Easy Ride Clutch (ERC).

Die erc: das heimliche herzstück der f 450 gs

Die erc: das heimliche herzstück der f 450 gs

Wer die ERC einmal im Gelände erlebt hat, versteht, warum BMW sie beim GS-Trophy-Paket serienmäßig verbaut. Sie ist kein Automatikgetriebe – die Maschine schaltet nicht selbstständig. Aber sie verhindert, dass der Motor abwürgt, wenn man bei zu hoher Gangstufe zu langsam wird. Man kann anhalten, ohne die Kupplung zu ziehen. Man kann in der Kurve hoch- und runterschalten, ohne Hand an den Kupplungshebel zu legen.

Im Gelände wird das zum echten Retter: Wer aus einem schnellen Stück in einen zähen, rutschigen Abschnitt gerät und keine Zeit zum Runterschalten hatte, bekommt von der ERC genau die Sekunde, die er braucht. Trotzdem bleibt die manuelle Kupplung voll funktionsfähig – für alle, die gerne das Vorderrad über Hindernisse heben.

Auf asfalto: schmal, agil, mit echtem grinsen

Auf asfalto: schmal, agil, mit echtem grinsen

Das Fahrgefühl auf der Straße ist verblüffend direkt. Die 178 Kilogramm Fahrgewicht merkt man kaum. Die Maschine wirft sich in Kurven, als hätte sie es nie anders gekannt. Das Tempo, das man zwischen engen Kehren halten kann, überrascht – und zwar angenehm.

Ein kleiner Wermutstropfen: Bei Autobahngeschwindigkeit dreht der Motor bei 130 km/h bereits jenseits der 7.000 U/min. Der sechste Gang ist schlicht etwas kurz übersetzt. Für Langstreckenfahrten zu zweit ist das auf Dauer anstrengend – zumindest für die Ohren.

Im gelände: kein offroad-renngerät, aber ein ehrlicher allrounder

Im gelände: kein offroad-renngerät, aber ein ehrlicher allrounder

Die Entscheidung für 19-Zoll vorne und 17-Zoll hinten ist bewusst gefallen. BMW weiß, dass diese Maschine zu 95 Prozent auf Asphalt fährt. Ein 21-Zoll-Vorderrad hätte auf der Straße mehr Kompromisse bedeutet, als das Gelände es wert gewesen wäre. Trotzdem: Die F 450 GS macht im Dreck keine schlechte Figur.

Die Federung schluckt Unebenheiten progressiv und kontrolliert. Die Reaktionen der Maschine sind berechenbar – ideal für Einsteiger, aber nicht langweilig für Erfahrene. Die ERC zeigt auch hier, was sie kann. Wer zu schnell in einen langsamen Abschnitt eintaucht, wird nicht bestraft. Er wird gerettet.

Stärken und schwäche – klar benannt

Die F 450 GS überzeugt mit außergewöhnlicher Agilität, einem der besten Motoren der Klasse, präzisen Bremsen und einem Kupplungssystem, das echten Mehrwert bietet. Der aerodynamische Schutz der serienmäßigen Scheibe ist ausbaufähig – selbst mit der größeren Variante aus dem Zubehörkatalog bleibt man der Wind-Belastung auf der Autobahn nicht erspart. Und die kurze Übersetzung im sechsten Gang ist kein Drama, aber eine Einschränkung, die BMW beim nächsten Update angehen sollte.

Ab Frühjahr 2026 wird die F 450 GS beim deutschen BMW-Händlernetz verfügbar sein. Wer in dieser Klasse nach einer Premium-Adventure sucht, wird es schwer haben, ein besseres Argument gegen sie zu finden – und das ab einem Preis, der in dieser Qualitätsstufe fast provokativ günstig wirkt.