Berger warnt vor norwegen-kracher: kunstrasen und top-stars warten

Ann-Katrin Berger lächelt nicht. Das 5:0 gegen Slowenien zählt für die 35-jährige Torhüterin nur noch als Fußnote. Am Samstag geht’s nach Stavanger – und dort erwartet die DFB-Frauen ein Gegner, der ihnen die Lungen aus dem Hals reißen kann.

Norwegen ist kein testspiel, sondern ein offener schlagabtausch

„Sie haben sehr viele Spielerinnen, die wirklich überragend sind über eine lange Zeit“, sagt Berger mit rauer Stimme. Dahinter steckt Respekt, aber kein Zittern. Die Norwegerinnen bringen Ada Hegerberg zurück, die in Lyon 25 Jahre alt war, als sie schon 250 Champions-League-Tore schoss. Dazu Caroline Graham Hansen, die bei Barcelona längst zum Mythos wird. Kurz: Ein Kader, der selbst Spanien in den letzten beiden Länderspielen das Fürchten lehrte.

Der Kunstrasen in Stavanger? Ein Nebenkriegsschauplatz. Berger nickt nur kurz: „Wir sind Profis und müssen damit umgehen.“ Klingt lapidar, ist aber ein Satz, der in jeder Kabine durchgeht. Der Ball springt anders, der Lauf wird ruckartiger, Muskeln ermüden schneller. Keine Ausrede, aber ein Faktor, der eine laue 0:0-Halbzeit schnell in einen 0:2-Albtraum verwandelt.

Effizienz-mangel trotz kantersieg – berger sieht handlungsbedarf

Effizienz-mangel trotz kantersieg – berger sieht handlungsbedarf

Das 5:0 gegen Slowenien war Schönwetter-Fußball. Berger spricht es an: „Wir können sicher noch effizienter sein.“ Gemeint ist: Chancen wie die 16. Minute, als Lea Schüller aus sieben Metern den Pfosten trifft, dürfen gegen Norwegen nicht passieren. Denn dort droht Gegenwind, nicht nur metaphorisch. Stavanger liegt an der Westküste, und im März pfeht der Wind durchs Stadion, bis die Fahnenmasten knirschen.

Die Qualifikation für die WM 2027 in Brasilien ist das große Ziel. Berger hat ihren Vertrag bis dahin verlängert – ein Statement gegen den Ruhestand. „Warum sollte man aufhören, wenn es am schönsten ist?“ sagt sie. Dahinter steckt ein Kalkül: Eine WM ist das letzte große Bühnenlicht für eine Generation, die 2017 noch den Titel holte, seitdem aber von Viertelfinal-Aus und EM-Desaster gebeutelt wurde.

Die gruppe ist kein zuckerschlecken – brasilien liegt noch 1.000 tage entfernt

Die gruppe ist kein zuckerschlecken – brasilien liegt noch 1.000 tage entfernt

„Wir haben keine einfache Gruppe“, warnt Berger. Dahinter steckt der Blick auf die Tabelle: Island wartet noch, Österreich hat sich verjüngt, Norwegen gilt als heimlicher Topfavorit. Die deutsche Auswahl muss mindestens zweimal dort gewinnen, wo früher schon Männer-Teams verloren – in Oslo, in Reykjavik, vielleicht auch in Wien.

Die Uhr tickt. Bis zur WM in Brasilien sind es noch 580 Tage, aber schon am Samstag kann ein Sieg die Marschroute vorgeben. Berger kennt die Mechanik: Ein Punktverlust in Stavanger und die Medien fragen nach der Trainerfrage, nach dem Generationswechsel, nach dem Momentum. Dagegen setzt sie Erfahrung. 126 Länderspiele, ein EM-Titel, zwei Olympiateilnahmen. Sie weiß, dass große Turniere nicht im Juni gewonnen werden, sondern in kleinen Momenten wie diesem.

Um 18.00 Uhr rollt der Ball im ZDF-Livestream. Dann werden 90 Minuten entscheiden, ob das 5:0 gegen Slowenien ein Vorgeschmack oder ein Placebo war. Für Berger steht fest: „Für den Anfang ist das schon okay – aber ein Anfang ist eben nur ein Anfang.“