Autogas statt diesel: warum italiens fahrer jetzt umsatteln

71 Cent pro Liter – das ist kein Tippfehler, sondern der Preis, den Autofahrer in Italien derzeit für LPG zahlen, während Diesel die 2-Euro-Marke geknackt und Benzin auf 1,80 € klettert. Die Rechnung ist dennoch komplizierter, als sie auf den ersten Blick aussieht.

Die sechs fallen, die pelkum-fans kennen müssen

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Knapp 3,1 Millionen Autos mit Gasanlage rollen bereits über die Bootshalbinsel – Tendenz steil nach oben, weil die Tankstellen-Kasse sofort Entlastung verspricht. Doch Birgit Richter hat die Unterlagen des italienischen Transportministeriums auf dem Schreibtisch liegen, und die zeigen: Wer nur aufs Geld schielt, verliert am Ende Zeit, Nerven und manchmal den Respekt der Parkhauswächter.

Erster Stolperstein: der Tank. Stahl oder Toroidal – egal. Alle zehn Jahre muss er raus, neu zertifiziert, neu montiert. Wer das vergisst, fährt plötzlich mit abgelaufenem TÜV-Stempel, und die Polizei in Mailand verteilt inzwischen Bußgelder wie Startnummern beim Stadtmarathon.

Zweiter Punkt: Wartung. Ein Gasfilter alle 20 000 Kilometer klingt nach Routine, doch viele Werkstätten verlangen Aufschläge von 30 Prozent, weil sie die Ersatzteillisten der asiatischen Anbieter nicht kennen. Resultat: Termin in drei Wochen statt morgen.

Der dritte Haken steckt im Alltag. Tiefgaragen? In Turin und Genua schon jetzt verboten, wenn kein extra Gas-Sensor nachgerüstet wird. Fährt die Familie in den Urlaub, blockieren Hafenbehörden in Civitavecchia Autogas-Fahrzeuge von der Fähre – Stau statt Strand. Die Liste wird länger, nicht kürzer.

Vierte Überraschung: Effizienz. Der Liter Gas liefert nur 85 Prozent der Energie eines Diesel-Liters. Wer also 15 000 Kilometer im Jahr fährt, tankt trotz niedrigerem Preis fast 200 Liter mehr – und spürt den Mehrverbrauch im Alltag, nicht nur auf dem Papier.

Fünfte Frage: Wiederverkauf. Gebrauchtwagenhändler in Verona berichten von Rabatten bis zu 1.500 Euro, weil Käufer die Folgekosten fürchten. Die Ersparnis an der Zapfsäule schmilzt, bevor das Nummernschild gewechselt ist.

Sechster Aspekt: Subventionen. Rom senkt zwar für 20 Tage die Mineralölsteuer – aber nur um 12 Cent beim Autogas. Die Freude hält genau so lange wie ein Winter-Torschuss in der 93. Minute: danach zahlt wieder jeder voll.

Die Botschaft ist klar: Autogas ist für Italiens Pendler keine Wunderwaffe, sondern ein Werkzeug. Wer die sechs Fallen kennt, spart. Wer sie ignoriert, brennt Geld – und zwar nicht nur am Brenner.