Audi stolpert über eigenen antrieb: doppelausfall zwingt neuburg in die knie
Der Traum von der Formel-1-Premiere wird für Audi zum Albtraum. Zweimal Start, zweimal nur ein Auto auf dem Grid – und das, bevor das erste Rennen überhaupt losging. In Melbourne starb Nico Hülkenbergs Power-Unit bereits auf dem Weg zum Startblock, in Schanghai erlosch bei Gabriel Bortoleto das gleiche Licht. Die Ingolstädter redeten sich mit „Lernphase“, doch intern herrscht blankes Entsetzen.
Boxenstopp-panne kostet hülkenberg punkte
Was blieb, war ein einzelner Audi, der sich durch das Feld quälte. Hülkenberg lag in Reichweite der Top Ten, doch ein Schlagschrauber rutschte beim Reifenwechsel ab, verlor Sekunden, versenkte die Hoffnung. „Ohne diesen Fehler wäre Nico punktreiter gewesen“, sagt Teamchef Jonathan Wheatley und schluckt sichtbar. „Dann rechnet man sofort: mit zwei Autos vielleicht doppelt Punkte.“ Die Rechnung ist nicht utopisch – Carlos Sainz startete von Platz 17 und wurde Neunter.
Doch Audi hat größere Sorgen als verpasste Zähler. Der Hybridantrieb verhält sich wie ein empfindliches Muskelspiel: sobald das Betriebsfenster kippt, bricht die Leistung ein, der Fahrer steht auf der Bremse, während die Konkurrenz schon wieder beschleunigt. „Nico wurde mehrfach in Situationen gepresst, aus denen er sich erst wieder herausprogrammieren musste“, erklärt Wheatley. Die Worte klingen wie ein Euphemismus für „er war Schießbudenfigur“.

Neuburg wird zum brennpunkt
Die Konsequenz: alle Blicke wandern von der edlen Carbon-Werkstatt in Hinwil zur Motorenzentrale nach Neuburg an der Donau. Dort arbeitet Mattia Binotto, der Mann, der bei Ferrari einst die Antriebseinheiten dominierte und heute für Audi dieselbe Aufgabe hat. „Der Antrieb wird im nächsten Entwicklungszyklus unser Kernbereich“, bestätigt Wheatley und übergibt den Staffelstab an den Italiener.
Die Uhr tickt. Die Konkurrenz schläft nicht, und Audi schon gar nicht. Denn jedes weitere Ausfallopfer zieht nicht nur Punkte, sondern auch Millionenstrafen nach sich – das Budgetlimit nagt an jedem Ersatzmotor. Die Ingenieure in Neuburg müssen nun eine Antriebskultur schaffen, die bisher nur Mercedes und Honda beherrschen: Hitze, Kälte, Vollbremsung, Vollgas – alles muss innerhalb von Millisekunden wieder im grünen Fenster landen.
Die Saison ist noch jung, aber die Frage reift mit jedem Rennen, das verpasst wird: wird der Antrieb der Schlüssel zum Anschluss – oder das erste große Debakel des neuen Audi-Projekts? Die Antwort kommt nicht auf dem Prüfstand, sondern auf der Strecke. Bis dahin heißt es: zahnen, nicht stottern.
