Audi schickt die v6-revolution auf die straße: 299 bis 639 ps, turbo weg, e-motor sofort

Kein Aufatmen mehr beim Ampelstart, kein Turbo-Loch, kein Zögern. Audis neue V6-Familie schlägt innerhalb von 250 Millisekunden zu – so schnell, wie ein menschlicher Lidschlag dauert. Die Ingolstädter haben ihre Sechszylinder-Reihe komplett neu verdrahtet: Drei Motoren, drei Elektro-Stufen, eine Spannweite von 299 bis 639 PS. Das ist kein Facelift, das ist ein Faustschlag in Richtung BMW und Mercedes.

Der kalte kaffee-test: 0-100 km/h in 3,6 sekunden mit strom und benzin

Die Spitze trägt das RS-Label. Im neuen RS 5 Avant kombiniert Audi den altenhrlichen 2,9-Liter-Biturbo mit einem 177-PS-E-Motor. Ergebnis: 825 Newtonmeter, die sich wie ein Seilwindenruck durch die Achsen ziehen. 3,6 Sekunden für den Sprint, 3,6 Liter Verbrauch im WLTP-Zyklus – das klingt wie ein Rechenfehler, ist aber die neue Normalität. Die 25,9-kWh-Batterie unter dem Ladeboden erlaubt 120 km rein elektrisch, genug für den Arbeitsweg ohne Verbrennergeräusche.

Wer denkt, das sei Spielerei für Großstädter, irrt. Die Software erkennt Kurven, Höhenmeter und Tempo-100-Schilder, bevor der Fahrer sie sieht. Bergauf schickt der E-Motor Nachschub, bergab lädt er zurück. Die mechanische Achse arbeitet mit dem Akku, nicht gegen ihn. Deshalb kratzt der RS 5 trotz 1.950 kg Leergewicht an den Fersen des 630-PS-V8-RS 6, während dessen Verbrauchsziffern in einem anderen Sternenhimmel bleiben.

Diesel ohne dampf: 580 nm ab 1.500 u/min, aber kaum mehr nox

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Die 3.0 TDI-MHEV+-Variante ist das, was Ingenieure „schleichende Revolution“ nennen. 299 PS, 580 Nm, aber der Partikelfilter bleibt kalt, weil der 48-Volt-Startergenerator den Motor schon bei 20 km/h ausschaltet. Die Doppellader-Kaskade arbeitet so: Erst der E-Kompressor bläst, dann übernimmt der Abgasturbo. Kein Hängen, kein Ruckeln, nur ein gleichmäßiger Schub, der an einen großen Sauger erinnert – nur mit dem Drehmoment eines Schiffs.

In Zahlen: Der Q5 3.0 TDI quattro spurtet in 5,0 Sekunden auf Landstraßentempo, der A6 Avant in 5,3. Die Emissionen? 17 Prozent unter dem Vorgänger, trotz mehr Leistung. Die Kiste ist so sauber, dass sie in viele Umweltzonen darf, in denen ein Golf TSI schon mal stehen bleiben muss.

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Der 3.0 TFSI im S5, SQ5 und A6 bleibt Sauger-Seele trotz Turbo. Dank 48-Volt-Bordnetz segelt er 40 Sekunden lang mit ausgeschaltetem Motor durch die Stadt. Die 1,7-kWh-Lithium-Eisenphosphat-Zelle steckt unter dem Beifahrersitz, spart 12 Kilogramm gegen NCM-Akkus und lädt mit bis zu 25 kW zurück. Man spürt das Gewicht nicht, spürt aber, wie sich 550 Nm schon bei 1.700 U/min anfühlen wie ein Tritt in den Rücken – nur eben ohne Dieselklopfen.

Der Sound? Tiefer als jeder Vierzylinder, aber nicht aufgesetzt. Die Auspuffklappen öffnen erst ab 4.000 U/min, wenn das Gesetz es erlaubt. Vorher flüstert der Wagen, danach schreit er – und das alles mit einem Verbrauch, der unter 8 Liter bleibt, wenn man nicht dauernd die 250 km/h-Spitze sucht.

Die preise: mehr leistung, kaum aufpreis

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Audi Deutschland listet den S5 ab 74.300 Euro, den Q5 3.0 TDI ab 67.900 Euro. Der RS 5 Avant startet bei 109.900 Euro – 16.000 weniger als der RS 6, obwohl die Leistung nur 9 PS fehlt. Die erste Lieferwelle beginnt im September, doch Händler berichten schon von Wartezeiten bis Frühjahr 2025. Wer jetzt bestellt, bekommt laut interner Quelle „vielleicht“ noch einen Platz im Oktoberbau – vielleicht.

Die Botschaft ist klar: Turbo-Lag war gestern, Elektro-Zusatz ist heute. Audi hat die V6-Familie nicht einfach aufgefrischt, sondern neu erfunden – und damit die Messlatte für München und Stuttgart um 30 Millisekunden höher gelegt.