Antonelli rast mit drei siegen ein – mercedes zittert um sein 19-jähriges wunderkind
Kimi Antonelli jagt mit drei Siegen in Serie durch die Formel-1-Saison, doch hinter dem Jubel schimmert die Angst: Mercedes-Teamchef Toto Wolff fürchtet, dass Italiens neuer Liebling beim ersten Ausrutscher sofort zum Sündenbock gemacht wird.
„Drei Siege? Die hatten wir nicht auf der Rechnung“, sagt Wolff im Gespräch mit der ‚Gazzetta Motori‘. „Aber jetzt gilt es, ihn vor sich selbst zu schützen.“
Der schutzschirm um den jüngsten wm-spitzenreiter aller zeiten
Wolffs Arm liegt schwer auf Antonellis Schultern – buchstäblich. Nach dem Rennen in Miami dirigiert er den Teenager durch die Fan-Meute, als wäre er ein Rohdiamant, der jeden Moment springen könnte. „Kimi ist 19, charismatisch, spontan – und komplett ungeschützt gegen den Hype“, erklärt der Österreicher. „Der Junge braucht Luft, um zu wachsen. Die ersten Fehler kommen garantiert, und dann werden alle fragen: ‚War das schon alles?‘“
Die italienische Sehnsucht nach einem nationalen Helden ist gewaltig. Seit Ferraris letztem Titel 2008 schlummert der Traum vom roten Weltmeister – und jetzt fährt ein Junge aus Bologna mit dem Stern auf der Nase drei Rennen hintereinander allen davon. „Das hat nichts mit Ferrari zu tun“, betont Wolff. „Die Tifosi bleiben der roten Göttin treu. Aber Kimi öffnet ihnen zusätzlich das Herz.“

Acht jahre mercedes-programm statt reiner kart-talent-glückssache
Was viele vergessen: Antonelli ist kein Zufallsfund. Mercedes hat ihn seit Kartzeiten begleitet, durchstylt, psychologisch gecoacht und mit Simulatorstunden gefüttert. „Talent ist nur die Eintrittskarte“, so Wolff. „Die echte Arbeit steckt in den 2 900 Tagen seit seinem ersten Test in Silverstone. Wer jetzt sagt, Ferrari hätte ihn früher entdecken müssen, versteht nicht, dass wir ihn geformt haben.“
Die Eltern des Piloten fungieren dabei als zusätzlicher Schutzwall. „Sie haben Kimi mit Bodenständigkeit erzogen. Keine Rolex-Selfies, keine Yacht-Partys – stattdessen Heimtrainer um 7 Uhr morgens“, schmunzelt der Teamchef.
Russell spürt den druck – mclaren und red bull vor der attacke
Während Antonelli feiert, sitzt Teamkollege George Russell auf glühenden Kohlen. In Miami patzte er im Qualifying, in Imola war das Team zu langsam. „Der Stoppuhr glaubt keiner“, sagt Wolff knallhart. „Kimi hat die letzten drei Grand Prix verdient gewonnen. George wird zurückschlagen – spätestens in Kanada.“
Dort rollt das Feld über die berühmt-berüchtigten Mauerstreifen. McLaren bringt ein großes Update, Red Bull hat in Miami plötzlich wieder einen halben Sekunden-Sprung gemacht. „Wir erwarten ein Ping-Pong-Jahr“, prognostiziert Wolff. „Heute vorne, morgen hinten. Die Entwicklungskurve ist steiler als je zuvor.“
Fazit: Antonelli ist kein Hype, sondern ein Produkt jahrelanger Mercedes-Arbeit. Doch selbst der Stern von Stuttgart kann einen 19-Jährigen nicht vor der italienischen Ekstase schützen. Die nächste Kurve kommt – und mit ihr der erste richtige Crash. Dann wird sich zeigen, ob das Wunderkind auch ohne Sieg noch lächelt.
